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Stillen

Die AFS (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen) 

In den 70er Jahren gab es in Deutschland schon Stillgruppen der La Leche Liga. Damals jedoch wurde die straff durchorganisierte Struktur der La Leche Liga-Stillgruppen manchmal als zu streng empfunden. Als Antwort darauf entstanden die ersten freien Stillgruppen. Im Jahre 1980 wurde die Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen - kurz AFS - als loser Zusammenschluss ebensolcher unabhängiger Stillgruppen gegründet.

Ziel der AFS ist es, durch Vernetzung, Informations- und Erfahrungsaustausch stillenden Müttern zu helfen und das Stillen zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Seit der Gründung des als gemeinnützig anerkannten Bundesverbandes im Jahre 1988 ist der Verein auf über 1600 Mitglieder angewachsen. Diese bieten im gesamten Bundesgebiet Telefonberatung und Stillgruppentreffen statt.

In verschiedenen europäischen und internationalen Netzwerken verfolgt der Bundesverband der AFS den weltweiten Ansatz der Stillförderung. In Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft setzt er sich dafür ein, dass das Recht auf Muttermilch gesetzlich verankert wird.

In den AFS-Stillgruppen werden stillende und stillwillige Mütter eingeladen, Kontakt zueinander zu finden, Erfahrungen auszutauschen und Fachinformationen zu speziellen Fragen zu erhalten. Auch Mütter, die sich aus irgendeinem Grund für die Flaschenernährung entschieden haben, sollen hier die Möglichkeit haben, sich zu informieren und ihre eigene Stillgeschichte aufzuarbeiten.

Die Stillgruppen arbeiten nach der Satzung, aber immer orientiert an ihren örtlichen Bedingungen und Notwendigkeiten. Die Treffen sind offen, ohne regelmäßige Anwesenheitspflicht und Väter sind ebenso willkommen wir Großeltern und Geschwister der gestillten Kinder. Informationen über Stillgruppen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website der AFS im Internet unter www.afs-stillen.de.

Die Leiterinnen der Stillgruppen haben die Möglichkeit, sich zur AFS-Stillberaterin ausbilden zu lassen. So können sie sich medizinisches Grundwissen, Handwerkszeug für die Gründung und Organisation von Stillgruppen sowie Beratungstechniken aneignen. Zur Vertiefung ihres Fachwissens werden regelmäßig Fachtagungen und Kongresse angeboten. Oft arbeiten die Stillgruppen mit medizinischem Fachpersonal in Entbindungs- und Kinderkliniken zusammen.

Heute ist die Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen in Deutschland eine Alternative zur La Leche Liga, steht aber keineswegs in Konkurrenz damit. Jede stillende Mutter kann natürlich selbst entscheiden, welche Philosophie ihr eher zusagt und mit welcher Organisation sie sich wohler fühlt. Auf jeden Fall wird sie in beiden, bei La Leche Liga wie auch bei der AFS, Hilfe, Unterstützung und Ermutigung rund ums Stillen finden.

Braucht mein Baby einen Schnuller? 

In vielen Kulturen erhalten die Babies überhaupt keine Beruhigungssauger, doch in unserer Gesellschaft wird fast überall die Botschaft vermittelt, ohne Schnuller gehe es nicht. In allen Medien stößt man auf Abbildungen von Kindern mit einem Schnuller. Es gibt Schnuller in allen möglichen Qualitäten und Designs zu kaufen und der Schnuller gilt schon als allgemeines Symbol für ein Baby und die Babyzeit. Welche Auswirkungen hat der Schnuller aber auf die Entwicklung Ihres Kindes?

Babies haben ein natürliches Saugbedürfnis, das normalerweise an der Brust gestillt wird. Wenn das Kind einen Schnuller bekommt, fehlt das Saugen als Anregung für die Milchbildung der Brust. Zu wenig Milch kann die Folge sein.

Durch einen Schnuller übersehen Sie leicht die Hungerzeichen Ihres Babys. Die Abstände zwischen den Stillmalzeiten werden größer und Ihr Kind kann dadurch unbemerkt in eine Art "Fastenzustand" geraten.

Das Saugen am Schnuller erfordert ein anderes Bewegungsmuster als das Saugen an der Brust. Bei manchen Kindern kann dies zu einer Saugverwirrung führen und das richtige Saugen an der Brust stören. Wunde Brustwarzen, Brustverweigerung und vorzeitiges Abstillen können die Folge sein.

Beim Schlafen mit einem Schnuller liegt die Zunge nicht in der normalen Ruheposition. Der Mund kann nicht geschlossen werden und das Baby gewöhnt sich an eine falsche Mundstellung.

Der Schnuller bewirkt, dass das Baby sich ruhiger verhält und die aktiven und lebhaften Phasen verpasst, die es für seine Entwicklung braucht.

Die sehr lange Benutzung des Schnuller begünstigt Zahnfehlstellungen, da er im Vergleich zur Brust sehr hart ist und sich nicht dem Gaumen des Babys anpasst.

Es gibt keinen kiefergerechten Schnuller. Kein Schnuller kann die natürlichen Bewegungen ersetzen, die beim Saugen an der Brust, bei der Lautbildung und der entspannten Ruhestellung des Mundes entstehen. Außerdem ist die Entwöhnung vom Schnuller oft schwierig, wie man an vielen älteren Kindern erkennen kann, die man immer noch mit Schnullern sieht. Zudem sieht ihr Baby ohne Schnuller viel hübscher aus und Sie können seine Mimik und die verschiedenen Stimmungen, die sich in seinem Gesicht widerspiegeln, viel besser beobachten.

In den ersten Wochen, bis sich das Stillen eingespielt hat, geben Sie ihrem Baby auf keinen Fall einen Schnuller, um einer Saugverwirrung vorzubeugen. Wenn überhaupt, verwenden Sie ihn später nur vorübergehend, zum Beispiel kurz während einer Autofahrt, damit Sie sich auf den Verkehr konzentrieren können und nicht von Ihrem weinenden Baby abgelenkt werden. Am besten wäre es natürlich, wenn Sie ganz auf den Schnuller verzichten könnten.

Bekommt mein Kind genug Milch? 

Die einfachste Methode um sicherstellen, dass ein gestilltes Baby genügend Milch bekommt, ist Stillen nach Bedarf. Das heisst, nicht erst so lange zu warten, bis Ihr Baby schreit. Schreien ist das letzte Signal, das unsere Kinder uns geben um uns mitzuteilen, dass etwas nicht stimmt. Davor gibt es aber noch viele Anzeichen von Hunger, auf die wir sofort reagieren sollten: wenn das Baby z. B. saugende Bewegungen und Geräusche mit dem Mund macht, wenn es das Fäustchen zum Mund bringt und daran leckt oder nuckelt, schnelle Augenbewegungen, wenn es herumzappelt und unruhig ist, den Kopf hin und her dreht und suchend den Mund öffnet.

Stillen Sie also Ihr Baby so oft es Hunger hat, auch nachts. Die Zeitabstände zwischen den Mahlzeiten sind unterschiedlich, anfangs zwischen ein bis drei Stunden, später werden sie länger. Die Nachfrage regelt das Angebot - Saugen regt die Milchproduktion an. Je öfter Sie stillen (nicht je länger), desto mehr Milch wird gebildet! Beobachten Sie das Baby und schauen Sie nicht auf die Uhr!! Beginnen Sie mit einer Brust und lassen Sie es trinken, solange es mag. Lassen Sie es eventuell ein Bäuerchen machen und wechseln sie seine Windeln. Dadurch wird es wieder wach, wenn es eingeschlafen ist. Dann lassen Sie es an der anderen Brust trinken. Wenn es nicht mehr trinken mag, ist es in Ordnung, nur beginnen Sie beim nächsten Mal mit dieser Seite.

Es ist ganz normal, dass Kinder sich während der Wachstumsphasen häufiger melden. Diese liegen in der Regel zwischen dem 7. und 10. Lebenstag, zwischen der 4. und 6. Woche und gegen Ende des 3. Lebensmonats. Es ist nicht nötig, Saft, Tee, Wasser oder künstliche Nahrung zuzufüttern. Legen Sie Ihr Kind in solchen Phasen einfach häufiger an, die Milchproduktion passt sich dem Mehrbedarf an. Ihr Kind weiß genau, was es braucht!

Wenn Ihr Kind am Anfang viel schläft, können Sie es ruhig zum Stillen wecken, damit es 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden bekommt. Wenn Sie 6-8 nasse Stoffwindeln oder 5-6 nasse Einwegwindeln haben, ebenso 2-5 Stuhlgänge pro Tag in den ersten Wochen, wenn Ihr Baby etwa 10 Tage nach der Geburt sein Geburtsgewicht wieder erreicht hat und danach 120-250 g oder mehr pro Woche zunimmt, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Wenn Sie nicht sicher sind, wie sich eine nasse Windel anfühlen muss, schütten Sie 3 Esslöffel Wasser in eine Windel. Nehmen sie sie in eine Hand und in die andere eine trockene Windel und vergleichen Sie das Gewicht.

Noch ein wichtiger Hinweis: Stillen sollte nicht schmerzen. Wenn Sie länger als einige Tage Schmerzen haben oder Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, rufen Sie am besten Ihre Hebamme oder eine Stillberaterin an. Sie kann Ihnen helfen, den Grund für das Problem zu finden und es zu lösen.

Die Gründung der La Leche Liga 

Im Jahr 1956 wurde die Mehrheit der US-Amerikanischen Kinder mit künstlicher Babynahrung ernährt. Es gab nur wenige Mütter, die den Mut hatten, ihre Kinder zu stillen. Die meisten Frauen, die es versuchten, hörten nach den ersten Problemen wieder damit auf, weil sie niemanden um Rat fragen konnten. Bücher, die sich mit dem Thema Stillen beschäftigten, gab es nicht, geschweige denn Zeitschriften oder gar das Internet. Das Wissen über die "Kunst des Stillens" wurde von Mutter zu Tocher weitergegeben, aber eine stillende Mutter war sehr ungewöhnlich und wurde von der Gesellschaft oft mit Mitßbilligung bedacht, so daß dieses Wissen mehr und mehr in Vergessenheit geriet.

An einem warmen Sommernachmittag im Jahr 1956 jedoch beschlossen zwei mutige stillende Mütter auf einem Kirchenfest, daß es einen Weg geben müsse, allen anderen Frauen zu helfen, die Ihre Kinder stillen wollten. Mary White und Marian Thompson fanden noch 5 weitere Mütter, die alle ein oder mehrere Kinder mit Begeisterung gestillt hatten und bereit waren, diesen Weg zu finden. Zwei Ärzte aus ihrer Umgebung standen ihnen mit Rat und midizinischen Informationen zur Seite und so fand an einem Oktoberabend des gleichen Jahres in Mary Whites Haus das erste Stilltreffen statt. Die Günderinnen hatten ihre schwangeren Freundinnen eingeladen und boten ihnen Informationen, Ermutigung und Unterstützung auf warmer und respektvoller Ebene von Mutter zu Mutter an.

Seitdem ist La Leche League zu einer weltweiten anerkannten Fachorganisation angewachsen, die politisch und konfessionell unabhängig arbeitet und u. a. die WHO (Weltgesundheitsbehörde) und UNICEF in allen Fragen des Stillens berät. In über 3000 Stillgruppen mit zur Zeit über 7200 Stillberaterinnen in 78 Ländern werden Hilfe und Informationen, Unterstützung und Rat für stillende Mütter angeboten. Trotzdem spielt die Einzelberatung die wichtigste Rolle, um der stillenden Mutter das Selbstvertrauen, die Kraft und das Wissen zu vermitteln, welches für eine erfolgreiche und erfüllende Stillbeziehung notwendig ist.

Seit 1977 ist La Leche Liga Deutschland e. V. als eingetragener, gemeinnützig anerkannter Verein tätig und in regionalen Stillgruppen organisiert. Die Beratungsarbeit wird ausschließlich ehrenamtlich durch erfahrene Beraterinnen geleistet. Jede von ihnen hat selbst gestillt und ist dadurch besonders geeignet, anderen Müttern zu helfen. Sie wurde speziell für diese Aufgabe von der La Leche Liga ausgebildet und hält sich auf dem neusten Stand des Stillwissens. Die LLL-Beraterin begleitet Eltern während der Stillzeit und bietet ihnen emotionale Unterstützung und Hilfe bei Stillschwierigkeiten und Unsicherheiten an, indem sie monatliche Stilltreffen leitet und telefonisch berät.

Auf ihren Websites im Internet stellen sich La Leche League International und die Teilvereine in den verschiedenen Ländern vor. Dort können Sie auch Stillberaterinnen in Ihrer Nähe finden, Publikationen zum Thema Stillen und Stillzubehör bestellen, sich per Email beraten lassen oder sich in den Foren und Gästebüchern mit anderen Stillinteressierten austauschen. Die Websites finden Sie unter www.lalecheleague.org oder www.lalecheliga.de. Diese und viele andere interessante Links finden Sie auch auf der Website unserer Sendung unter www.themilkyway.info.

Vorteile des Stillens

Muttermilch ist die perfekte erste Nahrung für Ihr Kind. Sie ist der künstlichen Babynahrung in vielerlei Hinsicht haushoch überlegen, denn sie ist viel einfacher zu verdauen und enthält alle notwendigen Nährstoffe für eine optimale Entwicklung des kindlichen Körpers und Gehirns. Ebenso sind lebendige Zellen, Antikörper gegen die Krankheiten, welche die Mutter hatte, und weiße Blutkörperchen als Schutz vor Infektionen darin enthalten. Das Angebot wird nach Bedarf geregelt. Sie hat immer die richtige Zusammensetzung, ist immer da und sofort fertig, hat immer die richtige Temperatur und ist immer steril. Und vor allen Dingen schmeckt sie viel besser als künstliche Babynahrung. Ihr Geschmack ändert sich nämlich jeden Tag und zu jeder Malzeit, je nachdem, was die Mutter isst.

Muttermilch ist kostenlos. Sie ist nie durch schmutzige Flaschen oder schmutziges Wasser verseucht. Es geht keine Zeit für das Kaufen, abmessen, sterilisieren, anrühren und erwärmen verloren. Muttermilch ist umweltfreundlich, denn es werden keine Fabriken für ihre Herstellung benötigt. Es fallen keine Gläser, Dosen und Verpackungsmüll an. Es wird kein Strom verbraucht und es werden keine Geräte für die Zubereitung benötigt.

Stillen schützt Ihr Baby vor einer Reihe von chronischen Krankheiten wie Asthma, Leukämie, Allergien, Diabetes und Neurodermitis. Ebenso wird Ihr Kind vor kindlichen Krebs- und Rheumaerkrankungen geschützt. Stillen vermindert das Risiko und erleichtert Fälle von Diarrhoe, Meningitis, Botulismus, Lungenentzündung, Wundwerden, Mittelohrentzündungen und Atemwegerkrankungen. Auch das Risiko für plötzlichen Kindstod sinkt durch das Stillen.

Durch Stillen erhält Ihr Baby viele vorteilhafte Voraussetzungen für sein späteres Leben. Gestillte Babys sind schlanker und neigen weniger zu Übergewicht. Das Saugen an der Brust erfordert 60 mal mehr Kraft als das Saugen an der Flasche. Deshalb entwickeln sich Gesichtsmuskeln und die Kieferknochen gestillter Kinder vorteilhaft und sie haben bessere Zähne. Gestillte Babies bilden bessere psychomotorische und soziale Fähigkeiten aus und haben im Schnitt einen höheren Intelligenzquotienten.

Für die Mutter vermindert das Stillen ebenfalls das Risiko für viele Krankheiten, z. B. Osteoporose, Eileiterkrebs, Brustkrebs, Gebärmutterkrebs und Fettsucht. Durch das Stillen bildet sich die Gebärmutter nach der Geburt schneller zurück und es treten weniger Blutungen auf. Eine stillende Mutter hat ihr Gewicht von vor ihrer Schwangerschaft schneller und vor allem, ohne Diät zu halten, wieder erreicht. In den ersten sechs Monaten nach der Geburt schützt das ausschließliche Stillen zuverlässig vor einer neuen Schwangerschaft. Stillende Mütter leiden weniger an postnatalen Depressionen und haben eine starke emotionale Bindung zu ihrem Baby.

Diese und viele weitere Vorteile, die Ihr Baby durch das Stillen erhält, sind es auf jeden Fall wert, es mit dem Stillen zu probieren. Lassen Sie sich durch anfängliche Schwierigkeiten nicht entmutigen und vertrauen Sie auf Ihr Gefühl und Ihren Instinkt. Es lohnt sich!