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"Mein Kind will nicht essen" von Dr. Carlos Gonzalez

Bücher über die Ernährung von Babys und Kleinkindern gibt es in großer Anzahl, und sie enthalten alle die gleichen Empfehlungen und Vorschriften: "Ihr Kind muss zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt das und das essen." Trotz der vielen Ratschläge sind Eltern verunsichert und fragen: "Aber warum will mein Kind nicht essen?" Ja, warum weigern sich Kinder, vor allem gestillte Kinder, feste Nahrung zu sich zu nehmen? Warum hören Kinder um ihren ersten Geburtstag herum auf zu essen, obwohl sie schon so schön gegessen haben? Warum schließen sie ihren Mund, spielen mit dem Essen oder spucken es aus?

Dr. Carlos Gonzalez räumt in seinem Buch mit den irren Ideen rund ums Essen bei Babys und Kleinkindern auf. Sehr anschaulich und in einer allgemein verständlichen Art erklärt er, welche groben Fehler bei der Ernährung von Säuglingen, Babys und Kleinkindern gemacht werden. Wie furchtbar es ist, aus einer so schönen Sache wie der Nahrungsaufnahme, einen Machtkampf werden zu lassen. Und wie unsinnig es ist, Vergleiche anzustellen wie: "Meiner hat letzte Woche 500 g zugenommen, wie viel wiegt Deine denn?" oder: "Meine 9 Monate alte Tochter isst schon Eisbein mit Sauerkraut und Deine trinkt mit 11 Monaten nur Muttermilch, Du machst bestimmt etwas falsch!"

Schuld sind nicht nur die Eltern oder gutmeinende Verwandte, sondern auch Kinderärzte und die zahlreichen Bücher zu diesem Thema. Aber Tatsache ist doch : es gibt heutzutage in den Industrieländern so viele fettleibige, übergewichtige und unter Essstörungen, wie Bulimie oder Anorexie, leidende Menschen, wie noch nie zuvor. Dr. Gonzales erläutert deshalb auch Sinn und Unsinn von "Soll-Gewichtskurven", die in Elternratgebern manchmal zu finden sind. Der wichtigste Leitsatz des Buches, den alle, die Babys und Kleinkinder haben oder betreuen befolgen sollten, lautet (Zitat): "Ein Kind darf NIEMALS zum Essen gezwungen werden - und schon gar nicht mit Bestechung oder Bestrafung". (Zitat Ende)

Das Buch ist also für Eltern ebenso wie für Kinderärzte, Hebammen, Stillberaterinnen, Ernährungs- und Erziehungsberater eine einzigartige Quelle genau recherchierter Information, die mit einfühlsamem Verständnis für die kindliche Psyche gepaart ist. Dabei geht es nicht nur um das Essen im Sinne von "Beikost", sondern durchaus auch sehr viel ums Stillen. Die Informationen sind streng wissenschaftlich begründet, dabei ist das Buch sehr gut, sogar witzig geschrieben. Es bietet der Leserin immer wieder ein Aha-Erlebnis, sehr viel zu lernen und kann in kurzer Zeit durchgelesen werden. Das Buch "Mein Kind will nicht essen" von Carlos Gonzalez kann im Buchhandel, direkt bei der La Leche Liga unter www.lalecheliga.de oder bei Ihrer Stillberaterin bestellt werden und kostet 13,90 Euro.

"Das Handbuch für die stillende Mutter" 

"Das Handbuch für die stillende Mutter" von La Leche League International ist nicht nur ein umfassendes Nachschlagewerk für den Stillalltag, sondern informiert auch darüber, was wir im Vorfeld der Geburt tun können und was uns erwartet, wenn unser Kind älter wird. Das Zitat: "Die Hand, die die Wiege bewegt, ist die Hand, die die Welt regiert" zeigt, wie wichtig es ist, sich schon in der Schwangerschaft über Geburt und Stillen zu informieren.

Die ersten Kapitel des Handbuches befassen sich mit dem Stillen seinen Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Es wird auch sehr eindringlich darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, sich über die Geburt und den Geburtsort Gedanken zu machen. Verschiedene Möglichkeiten der Geburt werden vorgestellt und der werdenden Mutter wird erklärt, welchen Einfluss sie haben kann und haben sollte. Wir lernen, welche Fragen wir an medizinisches Personal stellen sollten und vor allem, wie wir diese Fragen formulieren, damit wir auch wirklich die Information erhalten, die wir haben möchten.

Weitere Kapitel sind der Vorbereitung auf das Stillen und auf den Alltag nach der Geburt gewidmet. Wir erfahren, welche Situationen sich durch ein neues Familienmitglied ergeben, was sich für die Beziehung ändert, wie wir Kind, Partnerschaft und Haushalt unter einen Hut bekommen, welche Rolle der Vater hat, wie wir Ausflüge und Reisen gestalten und wie wir arbeiten und weiterstillen können.

Es folgen Kapitel über die erste Stillmahlzeit und das erste Anlegen. Verschiedene Stillpositionen werden in Wort und Bild erklärt, so dass sich das Handbuch sehr gut als erste Hilfe zur Selbsthilfe eignet. Zusätzlich wird auf die Stillgruppen verwiesen, die unter anderem auch von der La Leche Liga kostenlos angeboten werden.

Auch für die Zeit, wenn das Baby größer wird, finden wir viele Informationen darüber, welche Beikost wir einführen können, wie wir abstillen und welche Rolle die Kinder dabei übernehmen können. Nicht zuletzt finden sich auch Kapitel über die Vorteile des Stillens für die Mutter und wie es ihr Wohlbefinden beeinflusst. Im Rahmen des Stillens spielt auch die Erziehung eine entscheidende Rolle, so dass wir uns anhand des Handbuches sehr gut über den Umgang mit quengeligen Kindern, Wut- und Trotzanfällen informierten können.

Das Handbuch ist ein umfassendes Nachschlagewerk für alle Fragen und Probleme rund ums Stillen. "Habe ich genug Milch?" "Wird mein Baby ausreichend satt?", wunde Brustwarzen, Koliken und andere Schwierigkeiten werden geschildert und gute Hilfestellungen gegeben. Auch auf spezielle Situationen, wie zum Beispiel Stillen von Mehrlingen, frühgeborenen oder behinderten Kindern wird eingegangen. Das Handbuch informiert auch darüber, was passiert, wenn die Mutter krank ist oder Mutter oder Kind ins Krankenhaus müssen.

Insgesamt gesehen eignet sich also das Handbuch für die stillende Mutter sehr gut als Nachschlagewerk für die Zeit der Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und ersten Lebensjahre des Kindes. Es enthält das neueste Stillwissen, das auf unzähligen wissenschaftlichen Forschungsarbeiten basiert. Die Autorinnen, selber LLL-Beraterinnen, konnten sich auf das Wissen und die Erfahrung der La Leche Liga International verlassen, jener Organisation, die weltweit anerkannt das größte Stillwissen und Stillarchiv aufweist. Erfahrungsberichte von Eltern ergänzen den Wissensteil in bewährter Weise.

Die neueste Ausgabe des Handbuches kann unter ISBN 3906675025 im Buchhandel, bei den Stillberaterinnen der La Leche Liga oder direkt auf der Website www.lalecheliga.de bestellt werden und kostet 15,25 Euro. Manchmal kann man mit ein wenig Glück auch eine ältere Ausgabe für einen günstigeren Preis erwerben.

"Wir stillen noch" von Norma Jean Bumgarner 

Das Buch beginnt mit den folgenden Worten: "Als ich zum ersten Mal ein Kind sah, dass schon laufen konnte und noch gestillt wurde, war ich entsetzt - entsetzt über das große Opfer, das diese Mutter für ihr Kind bringen musste, entsetzt über die Obszönität und über die elterliche Verantwortungslosigkeit, die das so lange dulden konnte. Als ich Mutter und Kind aber besser kennen lernte, änderte sich meine Einstellung. Ich konnte nicht feststellen, dass sie irgendwelche unnötigen Opfer brachte, im Gegenteil, sie schien das Stillen zu genießen. Auch gab es keinen Mangel an elterlichem Verantwortungsgefühl; beide Eltern lehrten ihren Sohn aktiv, sich selbst zu versorgen und die Rechte und das Eigentum anderer zu respektieren. Mit der Zeit sah ich, dass ihr Stillen nicht etwas seltsames oder perverses war, sondern das Stillen war ein warmer und zärtlicher Teil ihres Zusammenlebens, einer von vielen Wegen dieser Menschen, einander zu zeigen, wie sehr sie sich liebten und genossen."

Solch eine Reaktion auf den Anblick eines älteren Stillkindes ist in unserer westlichen Welt wohlbekannt. Wir haben ein allgemeines Misstrauen der Natur, aller natürlichen Prozesse und Abläufe gegenüber entwickelt. Dies zeigt sich in unserem Drang, alle Aspekte der Entwicklung unserer Kinder zu kontrollieren. Wir zwingen sie, nach unseren Maßstäben zu wachsen und sich zu entwickeln - und nicht wie die Natur sie leitet. Dies führt oft zu unbefriedigten Bedürfnissen, welche sie und unsere Familien für viele Jahre belasten. Die Autorin meint, wenn wir uns auf die grundlegenden Bedürfnisse unserer Kinder einlassen, die ja fast alle durch das Stillen in den ersten Jahren befriedigt werden können, wird das Leben viel einfacher für uns.

Bumgarner erinnert daran, dass die Menschheit ihre Kinder schon immer mit Hilfe des Stillens betreut hat. Erst 1800 begannen bekannte Elternratgeber das Abstillen schon mit 12 Monaten zum empfehlen. In früheren Zeiten galt das Stillen bis drei, vier oder sogar fünf Jahre in vielen Kulturen auf der ganzen Welt als normal. Und in diesen Kulturen sind Kinder zufriedener, unabhängiger und kooperativer als anderswo. Mit einem Jahr oder vorher abzustillen ist für den Menschen ungewöhnlich. Trotzdem wird in der westlichen Gesellschaft das Stillen, wenn es überhaupt in Betracht gezogen wird, als eine Sache von Wochen oder Monaten betrachtet. Ein Baby kann zwar auch mit künstlicher Nahrung wachsen, das Stillen bedeutet jedoch medizinische und psychologische Vorteile für Mutter und Kind. Deshalb empfiehlt sogar die relativ konservative Amerikanische Akademie der Kinderärzte Muttermilch als einzige Nahrungsquelle für die ersten vier bis sechs Monate.

Bumgarner befasst sich mit dem Mythos, dass Kinder, die nicht entwöhnt werden, nicht bei Babysittern oder in Kindertagesstätten gelassen werden, später schwerer unabhängig würden. Das Gegenteil ist der Fall. Babies, die so lange stillen dürfen, wie sie möchten, werden unabhängiger, können sich leichter von ihren Müttern trennen, gehen neue Beziehungen mit mehr Sicherheit und Stabilität ein und brauchen weniger Erziehungsmaßnahmen. Das Stillen bietet Trost und einen sicheren Hafen, um Schmerzen zu heilen. Wenn sie uns so nahe sein können, wie sie es brauchen (und dies kann das Stillen gewährleisten), benehmen sich Kinder gewöhnlich besser und können sich frei fühlen, dem Wachsen und Lernen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sie wegzustoßen lehrt sie nicht Unabhängigkeit, sondern Angst und verzweifeltes Klammern.

Die Autorin berichtet, dass die schwierigsten Probleme, mit welchen die Mütter konfrontiert werden, die über die Babyzeit hinaus stillen, die Kritik von anderen ist. Sie empfiehlt ihnen, sich mit anderen Müttern zusammenzuschließen, die länger gestillt haben, mit Familienmitgliedern, Freunden, der La Leche Liga. Es ist das zweite Jahr, das am wahrscheinlichsten Fragen und Kritik bringen wird. Weil wenige Einjährige mit Erklärungen und Verzögerungen sicher umgehen können, empfiehlt Bumgarner, dass es einfacher, friedlicher und liebevoller dem Kind gegenüber sei, es zu stillen, wann immer es will, und so gelassen wie möglich mit Fragen oder Kritik umzugehen.

Bumgarner lässt uns erkennen, dass ein langer und glücklicher Lebensanfang an der Brust nicht nur für das Wohl unseres Kindes unbezahlbar ist: es ist auch wichtig für unser Wachstum und Wohl als Mütter. Die Mutter, genau wie das Kind, kann durch das vorzeitige Abstillen frustriert sein. "Schade ist nur, dass die Quelle solcher Frustration üblicherweise nicht von einem Kind kommt, dass sich selber früh abstillt, sondern eher von Sitten und sozialen Einschränkungen, die in den normalen Lauf des Stillens und Mutterseins eingreifen."

Das Buch "Wir stillen noch" bietet eine Menge Informationen zu allen Themen rund ums Stillen, beginnend mit der Vorbereitung auf das Stillen, der Umgang mit Kritik von anderen und die Vorbereitung auf eine natürliche Entwöhnung und ist deshalb ein sehr wichtiges Buch für jede stillende und zukünftige Mutter. Es kann auf der Website der La Leche Liga Deutschland unter www.lalecheliga.de oder bei jeder LLL-Stillberaterin bestellt werden und kostet 15,25 Euro.

Quelle: http://www.thewellspring.com/Cat/Adult_books/nursing_toddler.html

"Das Stillbuch" von Hannah Lothrop 

"Das Stillbuch" von Hannah Lothrop hat sich seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 1982 zum Standardwerk zum Thema Stillen entwickelt. Schon das Vorwort zur Neufassung befürwortet das Stillen und gibt der Leserin Kraft, sich nicht von Vorurteilen und falschen Informationen entmutigen zu lassen.

Das Buch beginnt mit Kapiteln über die Vorteile des Stillens, wo auch über die Funktionsweise der Brust und die Zusammensetzung der Muttermilch informiert wird. Die nächsten Abschnitte behandeln die Vorbereitung der Familie auf die Geburt und die Veränderungen, welche die Geburt eines Kindes hervorrufen. Wir erhalten einen Einblick in die Erlebnisse des Kindes bei seiner Geburt und verstehen, warum eine natürliche und sanfte Geburt, ebenso wie das Stillen, so wichtig für eine gute und liebevolle Beziehung zwischen Eltern und Kind sind. Wir erfahren, wie der Beginn der Stillbeziehung für Mutter und Kind erleichtert werden kann, welche Probleme und Zweifel auftreten und wie sie gelöst werden können.

Wenn das Kind anfängt, sich für feste Nahrung zu interessieren, beginnt für die Stillbeziehung eine neue Phase. Auch für diese Zeit bietet das ?Stillbuch? Hilfe und Unterstützung. Wir erfahren, wie und was unser Kind als erste feste Nahrung zu sich nehmen sollte, wie wir mit den ersten Zähnchen umgehen und wie wir unser Kleinkind weiterhin stillen, wenn es möchte. Wenn die Stillbeziehung zu Ende gehen soll, ist das "Stillbuch" ebenfalls ein guter Ratgeber. Wir lernen, wie wir unser Kind auf liebevolle Weise entwöhnen können oder wie wir weiterstillen können, bis es sich auf natürliche Weise selber abstillt. Die Veränderungen der Brust nach der Stillzeit werden genauso beleuchtet wie die besonderen Umstände des Stillens während einer neuen Schwangerschaft. Wir erhalten aber auch Unterstützung und Ermutigung, wenn wir durch Druck von außen oder wiedersprüchliche Ratschläge verunsichert sind.

In den weiteren Kapiteln des "Stillbuches" geht es u. a. um Schadstoffe, die sich in in bestimmten Fällen in der Muttermilch anreichern können. Wir finden eine Tabelle mit Wirkstoffen gängiger Medikamente, Daten über ihre Weitergabe an die Muttermilch und meistens eine stillfreundliche Alternative. Es werden allgemeine Stillprobleme wie zu wenig oder zu viel Milch, Milchstau, Bustentzündungen und wunde Brustwarzen besprochen und Hilfe und Lösungswege aufgezeigt. Auch für Probleme, die beim Baby auftreten können, wie das gierige, schläfrige oder weinende Kind, hat das Buch Tips und Lösungsvorschläge bereit. Es gibt einen Einblick in alternative Behandlungs möglichkeiten wie Homöopathie, Bachblüten- und Aromatherapie und Akupunktur, die bei Schwangerschafts- und Stillproblemen helfen können.

Für eine Stillbeziehung unter besonderen Umständen lernen wir, wie wir ein zu früh geborenes Baby, Zwillinge oder Mehrlinge stillen können, wie wir unsere Milch wieder zurückholen, nachdem abgestillt wurde, wie wir ein Adoptivkind stillen können, was wir tun können, wenn unser Kind oder die Mutter krank ist, wenn das Kind behindert geboren wurde oder der tragische Fall eintritt, dass das Baby tot geboren wird oder stirbt. Nach einem Kapitel über besondere Themen wie Ausgehen, Reisen, Berufstätigkeit und Liebe in der Stillzeit finden wir in den beiden Anhängen nützliche Informationen über das WHO-Programm zum stillfreundlichen Krankenhaus und viele Adressen von Selbsthilfegruppen, Verbänden, Institutionen, Bezugsquellen sowie empfohlene Literatur zum Thema Stillen.

"Das Stillbuch" ist in einer klaren, ermutigenden Sprache geschrieben und bietet viele Fotos und Illustrationen zur Veranschaulichung. Mit Hilfe des übersichtlichen Inhaltsverzeichnisses sowie des ausführlichen Registers kann es gut als Handbuch und Nachschlagewerk verwendet werden. Einige Informationen sind inzwischen durch neuere Forschungsergebnisse überholt, aber trotzdem ist das Buch für alle stillentschlossenen Mütter und ihre Parner oder Familie, und sogar für Frauen- und Kinderärzte sehr empfehlenswert. "Das Stillbuch" ist im Verlag Kösel erschienen und kostet 15,50 Euro. Oft kann man es aber auch als gebrauchtes Exemplar zu günstigeren Preisen erwerben.

"Geburt ohne Gewalt" von Frédéric Leboyer

Das Foto auf dem Einband zeigt ein neugeborenes Baby, das lächelt. Sein Gesicht ist ruhig und entspannt und scheint von innen heraus zu strahlen. Ein krasser Gegensatz zu anderen Fotos in diesem Buch, Fotos von neugeborenen Kindern, deren schreiende und schmerzverzerrte Gesichter seltsamerweise für uns ein normales Bild geworden sind.

Frédérick Leboyer ist davon überzeugt, daß Neugeborene die konventionelle Klinikgeburt als grausam erleben: Das Kind wird gezerrt, grellem Licht und lauten Stimmengewirr ausgesetzt und von seiner Mutter getrennt. In seinem Buch begibt er sich in ein Gespräch mit dem Zweifel und dem Unglauben des "zivilisierten" Menschen, um diesem zu erklären, dass auch Neugeborene schon Schmerz empfinden.

In faszinierend klarer und verständlicher, aber trotzdem poetischer Sprache beschreibt Leboyer einleuchtend, wie das Kind den Übergang in die Welt empfindet. Dieser Übergang ist mit Angst und Schmerzen verbunden, die durch die aktuellen Zustände in vielen Krankenhäusern noch verstärkt werden. Voller Gefühl und Hochachtung für das neue Leben zeigt Leboyer eine Möglichkeit auf, wie wir dem Kind einen warmen Empfang bereiten und ihm die Schmerzen der Geburt erleichtern können. Dazu gehört gedämpftes Licht, leise Stimmen, stille, sanfte Hände, ein warmes Bad und vor allen Dingen, die Nabelschnur erst zu durchtrennen, wenn sie auspulsiert hat und das Kind von selber begonnen hat, zu atmen. So wird das Kind mit viel Geduld, Respekt und auf liebevolle Weise in die neue Umgebung begleitet. Es kann sie langsam und ohne Angst kennenlernen und sich daran gewöhnen und sie akzeptieren. Hier ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch:

Brauchen wir hier noch Erklärungen? Welch ein tragischer Ausdruck, der Mund schreiend geöffnet, die Augen geschlossen, die Brauen zusammengekniffen. Die verkrampften Hände bittend ausgestreckt, dann wieder wie schützend vors Gesicht gezogen. Die Füße, die wild um sich stoßen, die Beidne, die plötzlich hochfahren , wie um den Bauch zu schützen. Dieser Körepser, der nur aus Krampfund Angst besteht – Dieses Kind spricht nicht? Dabei whert es sich mit seinem ganzen Leib: „Nein! Rühr mich nicht an! Laß mich! Laß mich!“ Und fleht doch gleichzeitig: „Hilf mir, hilf mir!“ Es gibt kaum einen Apell, der so erschütternd ist wie dieser. Und doch, wer hört ihn, diesen Ruf des Kindes, der so alt ist wie die Geburt selbst? Niemand, Wie ist das möglich? Wie ist das immer noch möglich? Zitat Ende.

Leboyers Buch ist ein Kunstwerk und zugleich ein Lehrbuch, das jede Schwangere, jeder Geburtshelfer und jede Hebamme gelesen haben solltes. Es soll uns bewusst machen, welches Leid unseren Kindern oft bei der Geburt angetan wird und es soll unsere Herzen öffnen für einen Weg, dem Leiden ein Ende zu setzen.