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Die (Fast)Alleingeburt meiner Tochter Miranda
Als ich mit meinem zweiten Kind schwanger wurde, stand für mich schon fest, dass ich es diesmal etwas anders machen wollte als mit meinem ersten Kind. Bei meinem ersten Sohn durchlief ich die gesamte Diagnosespirale und nahm alle ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen mit, mit Ultraschall und allen Tests, die angeboten wurden, sogar mit einer Fruchtwasserpunktion. Letztendlich führte dies dazu, dass ich jeder Untersuchung ängstlich entgegensah und erst wieder aufatmen konnte, nachdem der Arzt das OK gegeben hatte - für die nächsten 3-4 Wochen.Inzwischen habe ich meine Einstellung zur Medizin sowie meine Ernährung geändert und wollte deshalb die zweite Schwangerschaft ganz anders angehen. Ich war nie bei einer ärztlichen Vorsorgeuntersuchung. Ich war zwei mal bei einer sehr natürlich eingestellten Hebamme. Das erste Mal wollte ich, dass sie mir bestätigt, dass ich tatsächlich schwanger bin, weil ich in der 13. Woche keinerlei körperliche Anzeichen dafür bemerkte. Das zweite Mal war ich kurz vor unserm Umzug bei ihr, damit sie den letzten Status in den Mutterpass eintragen konnte, damit ich für die Behörden in der Schweiz eine gute Ausgangslage hatte.
Während der gesamten Schwangerschaft ging es mir sehr gut. Ich hatte fast keine der üblichen Schwangerschaftsbeschwerden. In den ersten Wochen konnte ich bestimmte Obstsorten, die ich bis dahin gern gemocht hatte, nicht essen und an manchen Abenden spürte ich eine leichte Übelkeit, eher Appetitlosigkeit. Als wir hier eine drei Wochen dauernde Hitzewelle und jeden Tag 35 Grad hatten, lagerte mein Körper etwas Wasser in den Beinen ein, was mich aber eher ärgerte, als dass es mich körperlich gestört hätte. Mit dem Ende der Hitzewelle verschwand auch das Wasser wieder. Gewichtsmäßig hatte ich die zweite Schwangerschaft mit 55 Kg begonnen, am Ende wog ich 66 Kg. Zum Vergleich bei der ersten: am Anfang 65 Kg und am Ende 85 Kg! Bei der Geburt des zweiten Kindes wog ich also 19 Kg weniger als bei der ersten Geburt.
Zu dem Zeitpunkt, da ich die ersten Kindsbewegungen im Bauch spüren konnte, begann ich, mentalen Kontakt zu meinem Baby aufzunehmen. Ich sprach manchmal am Abend vor dem Einschlafen mit ihm und konnte so sehr viel über das Baby und meinen Körper erfahren. Das Baby sagte mir, dass es ein Mädchen sei und dass es ihm gut gehe, dass es völlig in Ordnung und gesund sei. Wir suchten einige Zeit nach einem Namen, konnten aber keinen finden, der uns gefiel. Also fragte ich mein Baby eines Abends, wie es denn heissen wollte, und es antwortete: Miranda. Ich wäre sonst niemals auf diesen Namen gekommen. Wir wollten aber noch einen zweiten Vornamen für das Baby haben und so fragte ich es nach ein paar Tagen, welchen zweiten Namen es haben wolle. Wieder antwortete es sogleich: Luisa. So heisst unser Mädchen nun Miranda Luisa.
Trotz dieses intensiven mentalen Kontaktes mit meinem Baby träumte ich nie von ihm während der Schwangerschaft. Erst in der letzten Woche vor der Geburt fing ich an, von ihm zu träumen. In den beiden ersten Träumen trat das Baby als Mädchen auf und es war alles in Ordnung. Im dritten Traum jedoch, den ich zwei Nächte vor der Geburt hatte, war das Baby ein dunkelhäutiger Junge, ein Mischlingsbaby. Ich konnte mit dem Baby im Traum überhaupt nichts anfangen und versuchte die ganze Zeit einen Beweis zu finden, dass dies NICHT mein Baby sei. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich dachte mir einfach: nein, das kann absolut nicht sein, das muss ein Traum sein! Und damit wachte ich auf. Es war ungefähr 5 Uhr morgens. Ich konnte nicht mehr schlafen und fing an, über die Geburt zu grübeln. Irgendwie wusste ich aufgrund dieses Traums, dass etwas wahrscheinlich nicht so sein würde, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Ich stand auf und wollte einen Videofilm schauen, um wieder müde zu werden, damit ich später wieder ins Bett gehen konnte. Als ich eine Weile geschaut hatte, kam plötzlich mein Sohn herunter, hellwach und fertig angezogen. Ich wurde ärgerlich, denn nun konnte ich nicht mehr zurück ins Bett gehen. Wir schauten zusammen den Film zu Ende an und irgendwann stand auch mein Mann auf und fuhr zur Arbeit.
Dieser Tag war kein guter Tag. Ich war schlecht gelaunt, musste ab und zu sogar weinen, ich pflaumte meinen Sohn an und ärgerte mich selbst darüber. Es war als ob meine Realität aus den Fugen geraten sei. Wenn ich das Baby fragte, antwortete es immer, es gehe im gut. Dann traute ich mich zu fragen: Möchtest du heute kommen? Und Baby antwortete: Ja, Mama, ich möchte kommen. Da ich aber keinerlei Vorboten der bevorstehenden Geburt spüren konnte, dachte ich mir, "heute" ist ein dehnbarer Begriff...
Am nächsten Morgen wachte ich auf und ging zur Toilette. Plötzlich sah ich, dass ich blutete. Ich wusste, dass dies in den letzten Tagen der Schwangerschaft vorkommen kann und machte mir keine Sorgen. Ich rief meine Hebamme in Deutschland an und sie meinte, wenn die Blutung aufhöre bzw. in eine Schmierblutung übergehe, werde das Baby an dem Wochenende kommen. Es war Samstag, der 12. Juli 2008. Die Blutung hörte tatsächlich auf, nachdem sie zur Schmierblutung geworden war, und kurz darauf begann ich, leichte Wehen zu spüren. Die Abstände waren noch sehr groß und wir beschlossen, noch einkaufen zu fahren. Es ging mir die ganze Zeit gut und ich hatte keine Angst.
An dem Abend waren wir zu einem Qartiersfest eingeladen, ein Grillfest für die Bewohner unseres Viertels. Wir gingen noch hin, und es wurde sehr lustig, denn es ist hier sehr beliebt, zu allen Gelegenheiten Bingo zu spielen. Wir gewannen sogar etwas. Die Wehen kamen jetzt alle 10 Minuten, waren aber sehr leicht. In Vorahnung auf die Geburt hatte ich am Nachmittag ein wenig geschlafen und war deshalb noch hellwach als mein Mann und mein Sohn später schlafen gingen. Ich setzte mich noch ein wenig an den Computer und schrieb ein paar Mails, hatte aber irgendwann keine Ruhe mehr. Ich legte mir wieder einen Film ein, um mich abzulenken. Während des Films wurden die Abstände zwischen den Wehen noch kürzer, und als er zu Ende war, kamen sie ca. alle drei Minuten. Ich konnte sie gut ertragen und dachte immer wieder, dass sie bei meinem Sohn viel schmerzhafter gewesen seien. Es war etwa 3 Uhr nachts.
Ich beschloss, in die Badewanne zu gehen. Ich ließ Wasser in die Wanne und stieg hinein. Das Wasser war sehr angenehm, aber unsere Wanne ist ziemlich eng, und ich konnte mich nicht anlehnen, so dass ich aufrecht sitzen musste. Nach etwa einer Stunde wurde es mir zu unbequem und ich stieg heraus und ging wieder ins Wohnzimmer. Die Abstände waren noch kürzer geworden und die Wehen heftiger. Noch immer waren sie gut zu ertragen, besonders wenn ich in den Vierfüßlerstand ging und kreisende Bewegungen mit meinem Körper machte. Ich stöhnte und veratmete die Wehen ziemlich laut, und um 6 Uhr wachte mein Mann auf und kam zu mir herunter. Er versorgte mich mit Trinkwasser und verhielt sich absolut ruhig. Ich hatte keine Hemmungen, meine Bewegungen zu machen und mich dabei auch an ihm fest zu halten.
Irgendwann bemerkte ich, dass ich Schüttelfrost bekam und nicht mehr aufhören konnte zu zittern. Es war sehr unangenehm, weil das Zittern mich aus meiner Konzentration riss. Ich konnte keine Kleider anziehen, denn die waren mir auch unangenehm. Ich bat meinen Mann, mir neues Wasser in die Badewanne zu lassen und hoffte, dass darin das Zittern aufhören würde. Im warmen Wasser wurde es tatsächlich besser. Die Wehen kamen Schlag auf Schlag, mit sehr kurzen Abständen, und wurden immer schmerzhafter. Ab und zu fühlte ich nach dem Köpfchen und nach dem Muttermund, aber ich konnte nicht erkennen, wie weit er geöffnet war. Er muss aber offen gewesen sein, denn ich konnte das Köpfchen deutlich spüren, allerdings war noch eine dicke Membran davor: die Fruchtblase. Ich bat meinen Mann, auch einmal zu tasten, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mit meinen Fingern nicht richtig um die Kurve komme. Mein Mann bestätigte aber, dass ich alles richtig gefühlt hatte.
Bis zu diesem Zeitpunkt war das Wasser in der Wanne noch ganz sauber und klar geblieben, keine Spur von Schleim oder Blut war zu sehen. Ich veratmete weiter die Wehen, aber allmählich machte sich bei mir das Gefühl bemerkbar, dass es zu langsam ging. Ich hatte zwischen den Wehen immer wieder das Baby gefragt, ob es ihm gut gehe und die Anwort war immer positiv gewesen. Nun fragte ich noch mal, aber diesmal kam die Anwort: Ja, Mama, es geht mir gut, aber ich komme nicht weiter!
Ab diesem Zeitpunkt wurden die Wehenschmerzen plötzlich um ein Vielfaches stärker, aber die Abstände blieben gleich. Immer wieder tastete ich nach dem Köpfchen, aber immer noch war die Fruchtblase intakt. Ich hatte das leise Gefühl, dass ich vielleicht pressen müsse und versuchte es. Nun kam etwas Blut und Schleim, aber das Pressen war sehr schmerzhaft und so hörte ich nach einigen Wehen damit auf und veratmete sie weiter. Ich tastete immer wieder, aber auch nach zwei Stunden war kein Fortschritt zu bemerken. Da beschloss ich, mir Hilfe zu holen.
Ich hatte bei einem Stilltreffen eine sehr nette Hebamme kennen gelernt und rief sie an. Ich konnte nur auf den Anrufbeantworter sprechen und bat sie, zurück zu rufen. Nach einiger Zeit rief sie zurück, sagte aber, sie könne leider nicht kommen, und ich solle beim Geburtshaus in Biel anrufen. Mein Mann ging hinunter und suchte die Nummer des Geburtshauses im Internet heraus. Es war Sonntag Morgen und ich befürchtete, er würde niemanden erreichen. Aber dann hörte ich ihn sprechen und war sehr erleichtert. Die Hebammen sagten, sie würden keine Hausgeburten betreuen, deshalb müssten wir dorthin kommen. Meine Wehen waren sehr schmerzhaft, aber ich wusste, dass ich ohne Hilfe nicht mehr viel ausrichten konnte, und stimmte zu.
Mein Mann weckte unseren Sohn, zog ihn an und setzte ihn ins Auto, nahm die Babyschale und ein paar Handtücher. Dann half er mir in den Bademantel und ins Auto und wir fuhren los. Die Fahrt dauerte ca. 15 Minuten und ich konnte die Wehen entgegen meinen Erwartungen gut ertragen. Als wir beim Geburtshaus ankamen halfen mir die beiden Hebammen aus dem Auto und in die vorbereitete Geburtswanne. Sofort setzten die Wehen wieder ein, schmerzhafter als je zuvor. Ich bat die Hebamme, eimal die Herztöne des Babys zu prüfen, weil ich seit wir losgefahren waren, keine Bewegungen mehr gefühlt hatte. Ich war so gefangen von den heftigen Schmerzen, dass ich das Baby nicht mehr fragen konnte. Aber das Baby war ok. Dann bat ich die Hebamme noch, einmal nach dem Muttermund zu sehen. Er sei fast ganz offen, sagte sie, aber die Fruchtblase sei noch zu.
Die Wehen wurden noch heftiger und ich glaubte, nicht mehr durchhalten zu können. Es sollte nicht so weh tun. Dann fragte ich, ob ich nicht etwas tun könne, um die Geburt zu beschleunigen. Die Hebamme antwortete, ich könne mit dem Fingernagel die Fruchtblase sprengen, dann würde es viel schneller gehen. Ich veratmete noch ein paar Wehen, dann beschloss ich, es zu tun. Ich hatte aber gerade vor kurzem meine Fingernägel geschnitten und hatte keinen Erfolg. Im Gegenteil, je mehr ich versuchte, desto schmerzhafter wurden die Wehen. Deshalb bat ich die Hebamme, es selbst zu tun. Sie legte einen Handschuh mit einem kleinen Widerhaken an und sprengte die Fruchtblase. Ich merkte nichts davon, aber bei der nächsten Wehe fühlte ich ein Krachen in meinem Becken, als das Köpfchen wie eine Rakete durch den Muttermund schoss!
Bei der darauf folgenden Wehe schon konnte ich fühlen, wie das Köpfchen mit brutaler Naturgewalt das Becken dehnte und bei mir den unwiderstehlichen Drang, mitzupressen auslöste. Bei der nächsten Wehe presste ich mit und da sagten die Hebammen, dass sie das Köpfchen sehen konnten! Ich fühlte es auch und bei der Berührung durchströmte mich eine unendliche Kraft und alle Gedanken fielen von mir ab. Schon bei der nächsten Wehe drängte sich das Köpfchen durch die Vagina und ich schrie wie am Spieß. Auf diesen Schmerz war ich nicht vorbereitet gewesen, noch nicht. Es dauerte noch vier Wehen bis erst das Köpfchen, dann die Schultern und dann mein ganzes Baby draussen waren.
Und da war nur Stille. Ich versank im Dunkel, der Schmerz war weg. "Es schwimmt, schau mal, wie es schwimmt!" flüsterte die Hebamme. Ich öffnete die Augen und da war mein Baby im Wasser. Es hatte die Augen offen und schaute mich an. Die Gefühle gingen mit mir durch, etwas, das ich bei der Geburt meines Sohnes vermisst hatte. Weinend nahm ich mein Baby aus dem Wasser in den Arm. Es war so winzig! Und es war ein Mädchen! Ich hatte es gewusst. Miranda.
Mein Mann und unser Sohn kamen herein und begrüßten unser Mädchen. Nachdem Miranda sich ein wenig umgeschaut hatte, suchte sie nach meiner Brust und begann zu trinken. Eine halbe Stunde später wurde auch die Plazenta geboren. Wir durchtrennten die Nabelschnur als sie auspulsiert hatte und die Hebamme untersuchte die Plazenta. Sie sei sehr groß, sagte sie. Ich konnte mit Miranda auf das Bett umziehen. Ich hatte vorher gesagt, dass ich ein Stück von der Plazenta probieren wolle und die Hebamme schnitt mir ein Stück ab. Es schmeckte angenehm und war noch warm. Der Geschmack war mir vorher wie eine Art Kuchen beschrieben worden, aber ich empfand ihn eher wie den Geschmack von roher Leber. Ich hatte als Kind von der Leber genascht wenn meine Mutter welche zubereitete, deshalb hatte ich den Vergleich.
Entgegen meinen Erwartungen kostete es mich keine Überwindung, ein Stück von meiner Plazenta zu probieren. Ich wusste von den positiven Eigenschaften des Plazentagewebes und von den Auswirkungen, die sie auf meinen Körper haben würden. Als die Hebamme später meine Gebärmutter ertastete, staunte sie, wie weit sie sich schon zurückgebildet hatte.
Miranda stillte ausgiebig an beiden Seiten und schlief dann in meinem Arm ein. Wir bekamen vom Geburtshaus noch einen kleinen Imbiss und ein Mittagessen, und erst kurz bevor wir nach Hause aufbrachen, wurde Miranda gemessen und gewogen, was sie ohne Probleme über sich ergehen ließ, da sie tief schlief. Ich hatte sie aufgrund meines "kleinen" Bauches auf etwa 3000 Gramm geschätzt, und als ich sah, wie klein sie war, dachte ich, dass sie bestimmt noch weniger wiege. Aber es standen 3210 Gramm auf der Waage, bei 52 cm Größe und 33 cm Kopfumfang, ganz normale Werte also. Weil wir in der Eile keine Sachen für Miranda hatten mitnehmen können, bekamen wir vom Geburtshaus ein paar Sachen für die Heimfahrt.
Wir waren kurz vor 10 Uhr im Geburtshaus angekommen und 45 Minuten später wurde Miranda geboren. Obwohl ich vorgehabt hatte, sie ganz allein und ohne Hilfe auf die Welt zu bringen, bin ich nicht enttäuscht. Den größten Teil der Geburt - und auch den schwersten, habe ich allein geschafft. Ich wäre von selber nie auf die Idee gekommen, die Fruchtblase zu sprengen. Wir hatten Glück, dass die Hebammen an dem Sonntag Morgen zufällig gerade im Geburtshaus waren und mich sozusagen als Notfall aufnehmen konnten. Wenn ich sie nicht erreicht hätte, dann hätte ich meine Hebamme in Deutschland angerufen und sie um Rat gefragt. Vielleicht hätte sie mir dann empfohlen, selbst die Fruchtblase zu sprengen, was die Geburt beschleunigt hätte, dann hätte ich es wahrscheinlich allein geschafft.
Ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden und glücklich, dass unsere kleine Miranda bei uns ist. Bei meinem Sohn war die Fruchtblase schon offen gewesen, bevor die Wehen überhaupt begonnen hatten. Ich hatte nicht mit der Möglichkeit gerechnet, dass meine Fruchtblase so lange dicht halten könnte... wieder was neues gelernt.
Im Nachhinein bin ich überzeugter denn je, dass eine Frau ihr Kind allein auf die Welt bringen kann. Ich weiss jetzt auch, dass ich nicht völlig frei von Angst war. Ich hatte zwar keine Angst vor der Geburt an sich, aber ich hatte Angst, dass ich mich selbst enttäuschen könnte, und die Angst meiner Familie um mich und das Baby haben mich die gesamte Schwangerschaft über begleitet. Und ich hatte auch große Angst davor, dass wir womöglich auf eine Odyssee durch die Behörden würden gehen müssen. Dass ich vielleicht gezwungen würde, mich und das Baby von einem Arzt untersuchen zu lassen, damit er bestätigt, dass ich tatsächlich die Mutter bin und Miranda tatsächlich meine Tochter. So habe ich meine Realität dann unbewusst so gestaltet, dass dieses Problem gelöst wurde. Manchmal nimmt die Realität seltsame Wege, und es passieren Dinge, von denen man nicht einmal weiss, dass man sie sich wünscht, bis sie passieren...
Essen lernen ohne Füttern
Als mein Sohn Linus einige Wochen alt war, hatte sich unsere Stillbeziehung schon gut eingespielt. Ich genoss jede Stillmahlzeit und konnte mir das Leben ohne Stillen nicht mehr vorstellen. Ich wollte, dass diese liebevolle Beziehung so lange wie möglich anhalten würde und dachte nicht im Traum daran, Linus irgendwann abzustillen.
Eines Tages hörte ich in meinem Rückbildungskurs ein Gespräch zwischen zwei anderen Müttern. Die eine fragte die andere, wie lange sie schon stillte. "Oh, zu lange!" antwortete die andere mit einem Seufzer. "Mein Sohn ist jetzt sieben Monate alt. Ich muss ihn abstillen." Ich konnte sehen, dass diese Mutter nicht glücklich darüber war, ihren Sohn abzustillen, aber sie glaubte, sie müsse das tun, was alle anderen taten und ihr empfahlen.
Zu dieser Zeit wusste ich noch sehr wenig über das Stillen. Ich wusste nichts über die Empfehlung der WHO, mindestens zwei Jahre lang zu stillen, nichts über die Vorteile des Stillens nach den ersten sechs Monaten. Aber irgendwie krampfte sich mein Herz zusammen, wenn ich mir vorstellte, dass dieses sieben Monate alte Baby von seiner Mutter abgestillt wurde. Ich fühlte, dass die Natur es nicht so vorgesehen haben konnte. Ich konnte mir nicht vorstellen, meinem kostbaren, makellosen, kleinen Baby etwas anderes als meine Milch zu geben.
Meine Hebamme hatte eine sehr unterstützende Einstellung zum Stillen und kam damals noch einmal in der Woche um nach uns zu sehen. Ich war etwas verwirrt über meine Gefühle und fragte sie, wie lange Mütter denn üblicherweise so stillten. Sie sagte mir, dass die meisten sechs Monate voll stillten und dann begannen, Beikost einzuführen. Sie muss aber den zweifelnden Ausdruck in meinem Gesicht gesehen haben, denn sie beeilte sich hinzuzufügen: "Aber natürlich kannst du viel länger als sechs Monate voll stillen, wenn du möchtest. Du kannst so lange voll stillen, bis Linus von selber anfängt, andere Sachen zu essen. Auf diese Weise ersparst du dir auch den ganzen Stress mit dem Brei füttern, ein Löffelchen für Oma usw."
Das war das erste Mal, dass ich vom "Vermeiden" der Breiphase hörte. Alle Mütter um mich herum erzählten mir, wie sie sich damit quälten, bei ihren Kindern die Beikost einzuführen. Die Babys mochten den Brei nicht, sie mochten nicht gefüttert werden und sie mochten auch nicht essen. Die Mütter versuchten alle möglichen Tricks, um das "Essen ins Baby zu bekommen" und am Ende waren Mutter und Baby frustriert. Ich wollte das auf keinen Fall.
Als das Ende von Linus' sechstem Lebensmonat sich näherte, wurde ich unruhig. Er zeigte kein Interesse an anderer Nahrung als meiner Milch. Mit der Empfehlung meiner Hebamme im Hinterkopf stillte ich ihn deshalb weiter ohne ihm was anderes anzubieten. So ging auch der siebte und achte Monat vorbei. Eines Tages in seinem neunten Monat hatte ich Linus auf meinem Schoß und aß mein Mittagessen und bemerkte, dass er meinem Löffel mit den Augen folgte. Dann streckte er die Hand aus und nahm sich ein Stück von meinem Teller!
Obwohl viele Mütter glücklich waren, wenn sie merkten, dass ihre Kinder "reif" für Beikost waren, wurde ich traurig. ICH war nicht bereit dafür. Mein makelloses Baby, welches bis dahin nur meine Milch getrunken hatte, wollte was anderes! Aber ich wollte Linus natürlich nichts vorenthalten und ließ ihn schweren Herzens ein Stück Obst von meinem Teller nehmen. Er führte es zum Mund, leckte ein paar Mal daran und warf es weg. Dann nahm er ein anderes Stück und machte es genauso. Nachdem er einige Stücke untersucht hatte, drehte er sich zu mir um und suchte nach meiner Brust. Ich war erleichtert. Linus war nicht am Essen als Nahrung interessiert, sondern als Spielzeug!
Die nächsten Monate vergingen und Linus aß nicht. Ich bot ihm nie aktiv was zu essen an und fütterte ihn auch nie, sondern hatte ihn beim Essen auf dem Schoß und ließ ihn mit dem Essen spielen. Er berührte, leckte, saugte, zerdrückte, kaute es, aber er verschluckte nichts. Er spuckte alles aus und wenn er keine Lust mehr hatte, suchte er meine Brust und stillte. Manchmal war das Essen auf dem Tisch, auf dem Boden, auf Linus und mir verteilt, aber ich machte es sauber und kümmerte mich nicht weiter darum.
Dann, irgendwann in Linus' 15. Monat fand ich ein paar grüne Erbsen im Töpfchen (Linus wächst windelfrei auf). Sie waren vollständig und nicht zerkaut, aber es zeigte mir, dass Linus nun begann, auch ab und zu was hinunter zu schlucken. In den nächsten Tagen tauchten auch ein paar Rosinen und Obststücke auf. Mein Sohn aß! Ohne Brei, ohne Füttern, ohne die "Einführung" der Beikost, im doppelten Sinne des Wortes. Er hatte es ganz von selber gelernt. Natürlich bedeutete das nicht, dass er jetzt Beikost anstelle meiner Milch aß! Er stillte weiter fast so viel wie ein Neugeborenes und aß ab und zu ein paar Bissen von meinem Teller.
Heute ist mein Kleiner zwei Jahre alt und isst alles. Er isst elegant und "anständig", mit geschlossenem Mund und kaut alles gründlich, bevor er es hinunterschluckt. Ich habe ihm auch nie eine Schnabeltasse gegeben, weil sie mich an eine Babyflasche erinnerte. Linus begann irgendwann, trinken zu üben mit allem, was er fand. Er kann jetzt aus Tassen, Gläsern, Tellern, Schüsseln und Flaschen trinken ohne zu verschütten. Er spielt gerne mit verschiedenen Behältern und liebt es, Flüssigkeiten hin und her zu schütten. Und natürlich stillt er noch sehr oft, tags wie nachts, und wir denken überhaupt nicht daran abzustillen.
Ich bin froh, auf meine Instinkte und die Signale meines Sohnes gehört zu haben. Ich bin froh, dass ich seine Würde respektierte und ihn nicht zum essen zwang, wie so viele mir es geraten hatten. Ich bin meiner Schwester dankbar, die LLL-Stillberaterin in Schottland ist und mich immer ermutigte, lieber auf mein Herz und meinen Sohn zu hören als auf die Menschen, die versuchten, mich unter Druck zu setzen. Und ich danke Dr. Carlos Gonzalez, der mir mit seinem Buch "Mein Kind will nicht essen" die letzte Bestätigung gab, dich ich brauchte, um meinen Weg durchzusetzen.
Inzwischen habe ich erfahren, dass die Methode, Kinder selber essen zu lernen, gar nicht so neu ist. Es gibt viele Völker auf der Welt, die ihre Kinder nicht füttern. Es gibt auch keine anderen säugenden Tierarten, die ihre Jungen füttern. Durch meine Recherchen in Internet habe ich noch viele andere Menschen kennen gelernt, die auf das Füttern und den Brei verzichteten und ihre Kinder auf natürliche Weise essen lernen lassen. Ich habe auch noch zwei Buchtipps dazu: "Gestillte Sehnsucht - starke Kinder" von Tine Müller-Mettnau, erschienen im Eigenverlag und zu beziehen über http://www.tandemstillen.de, und "Geborgene Babys" von Julia Dibbern, erschienen im Anahita-Verlag, zu beziehen im Buchhandel.
Viele Eltern, die mit ihren Kindern nach dem Continuum-Concept von Jean Liedloff zusammenleben (http://www.continuum-concept.de, http://www.continuum-concept.net), lehnen das Füttern mit Brei oder anderen Sachen ab. Die Kinder werden oft bis weit ins zweite Lebensjahr hinein voll gestillt, bis sie von selber anfangen, am Familientisch mit zu essen. Bei den Rabeneltern hat eine Mutter ihr Kind sogar 28 Monate lang voll gestillt. Es wird uns immer gesagt, dass Kinder ab der Hälfte des zweiten Jahres was anderes als Muttermilch "brauchen". Dem ist aber nicht so. Wenn das Kind weiterhin nach Bedarf gestillt wird, bekommt es mit der Muttermilch alles, was es braucht.
Natürlich gibt es auch Kinder, die schon sehr früh deutlich zeigen, dass sie was anderes möchten. Ihnen sollten die Eltern natürlich nicht das Essen vorenthalten, es sei denn, das Kind ist jünger als 6 Monate. Ich finde aber, viel zu oft wird das spielerische Interesse an dem Essen der Eltern von diesen als "Beikostreife" interpretiert und dann kommen schnell die Gläschen und der selbst gekochte Brei zum Einsatz. Die Eltern wundern sich dann, dass die Kinder den Brei wieder ausspucken und versuchen, die Kinder zu überreden, zu überlisten oder gar zu zwingen, den Brei zu essen. Oft werden auch Stillmahlzeiten durch Brei ersetzt, weil von wohlmeinenden Verwandten der Rat kommt, das Kind werde dann besser, länger oder durch-schlafen. Dass dieses Ammenmärchen falsch ist, kann man auf jeder seriösen Stillwebsite nachlesen.
Ich möchte euch empfehlen, euch und euren Kindern Zeit zu lassen, damit sie selber lernen zu essen. Das immer wiederholte Anbieten von Beikost bringt meiner Meinung nach auch nichts, es nervt die Kinder nur. Ich stellte mir gerade mal vor, wie es wäre, wenn ich jede Woche oder meinetwegen auch alle zwei oder drei Wochen von meinem Partner was vorgesetzt bekäme, von dem er wüsste, dass ich es schon beim ersten Mal nicht mochte. Ich könnte nicht verstehen, wieso er das tut.
Meiner Meinung nach ist der ganze Stress mit der so genannten Einführung von Beikost unnötig und schädlich und sollte vermieden werden. Beikost muss nicht eingeführt werden, sondern sie führt sich selbst ein. Ganz von allein und ohne unser Zutun wird das Kind irgendwann essen. Am besten ist es, wenn der Übergang sehr, sehr langsam, allmählich und fast unmerklich stattfindet. Eure Kinder werden selber essen lernen ohne dass sie gefüttert werden müssen, genau so wie sie laufen lernen, ohne dass ihr ihre Beine bewegt, und sprechen, ohne dass ihr ihre Zungen bewegt.
Es ist schon seltsam, dass Kinder in unserer Gesellschaft so früh wie möglich selbständig ein- und durchschlafen müssen, so früh wie möglich an Bei/Ersatzkost gewöhnt und von der Brust entwöhnt werden müssen, aber WEHE, die Eltern versuchen, mit dem Kind mittels Windelfrei/Topfit frühzeitig über seine eigenen Ausscheidungen zu kommunizieren! Dann tun sie ihm ja was ganz, ganz Böses an, denn jeder weiß, dass die Kinder ihre Schließmuskeln frühestens mit drei Jahren kontrollieren können und vorher unweigerlich auslaufen würden, wenn sie keine Windeln trügen.
Margarete Schebesch
August 2005
Windelfrei - auch ein später Anfang lohnt!
Mein Sohn Linus begann mit 10 Monaten, frei zu laufen und ab diesem Zeitpunkt wurde das Wickeln zur Qual für mich und für ihn. Er wollte nicht mehr still liegen oder stehen und lief mir beim Wickeln davon, ich musste ihn festhalten und ihn mit Gewalt saubermachen, er weinte und ich hatte Angst, ihm wehzutun... Es war schrecklich. Es führte meist dazu, dass ich ihn fast den ganzen Tag mit der selben Windel herumlaufen ließ, nur um ihn nicht immer wieder quälen zu müssen. Dazu kam, dass die Windeln in der Nacht regelmäßig überliefen, weil ich mich nicht traute, sie zu wechseln, um Linus nicht zu wecken.
Ich dachte erst, er mag nur die Plastikwindeln nicht und kaufte ein Set mit Stoffwindeln. Dadurch hatte er aber immer solch einen dick eingepackten Po, dass seine (und meine) Abneigung noch wuchs. Das Wickeln in der Nacht war noch komplizierter als vorher und ich hörte bald mit den Stoffwindeln auf.
Nachdem ich mich einige Wochen so herumgeschlagen hatte, stieß ich durch Zufall im Internet auf das Buch "Es geht auch ohne Windeln" von Ingrid Bauer. Die Rezensionen sagten mir, dass die in dem Buch vorgestellte Methode die Lösung unserer Wickelprobleme sein könnte. Ich bestellte das Buch sofort und wartete ungeduldig darauf. Als ich es endlich hatte, begann ich gleich zu lesen. Nach dem ersten Kapitel ging ich hin und nahm Linus die Windeln ab. Wieso war ich nicht von selber auf diese Idee gekommen?
Ich las das Buch an diesem Tag durch, während Linus seine beiden Mittagsschläfchen machte. Er war damals schon fast 11 Monate alt und obwohl ich in dem Buch gelesen hatte, dass es schwieriger wird, wenn das Kind älter ist, wollte ich es mit ihm probieren. Von dem Buch aufgerüttelt, mochte ich ihn auch nicht mehr in seinen eigenen Ausscheidungen herumlaufen lassen. Ich probierte noch am gleichen Tag, ihn aufs Töpfchen zu setzen und ihn über der Toilette abzuhalten, aber er hatte Angst vor beidem. Er klammerte sich an mich und schrie. In dem Buch stand, man könne auch die Dusche, Badewanne oder das Waschbecken probieren. Das wollte ich dann am nächsten Tag tun, um Linus' Geduld nicht zu strapazieren. Ich fing also folgendermaßen an:
1. Tag: Ich stellte Linus morgens ins Waschbecken und sagte: "Mach Pipi, Linus". Natürlich kam nichts. Danach ließ ich ihn den ganzen Tag ohne Windeln herumlaufen, nur mit einer einfachen Nickihose. Immer, wenn er Pipi machte, sagte ich zu ihm: "Ah, du hast Pipi gemacht, Linus." Dann wischte ich es mit einem Handtuch auf und zog ihm eine neue Hose an. Jedes Mal wenn ich meinte, er müsse jetzt, hielt ich ihn übers Waschbecken und sagte den Schlüsselsatz, aber am ersten Tag kam so noch nichts, sondern nur dazwischen. Dadurch, dass er ohne Windel herumlief, sondern nur eine einfache, schnell auszieh- und wechselbare Hose trug, merkte ich sehr schnell, wann seine Pipi-Zeiten waren. Es stimmte ziemlich gut mit den Voraussagen in dem Buch überein (nach dem Stillen, morgens öfter als nachmittags etc.) In der ersten Nacht zog ich ihm eine Windel an und stillte ihn sonst weiter wie üblich. Die Windel war am Morgen nass.
2. Tag: Gleich nach dem Aufstehen, obwohl die Windel nass war, stellte ich Linus ins Waschbecken und sagte "Mach Pipi, Linus". Und - oh Wunder, er machte Pipi! Ich freute mich und lobte ihn und verfuhr genau wie am ersten Tag. Aber diesmal schaffte ich es, mehrere Pipis aufzufangen, bevor sie auf den Boden gingen. In der Nacht zog ich Linus wieder die Windeln an.
3. Tag: Ich ließ Linus ohne Windel herumlaufen, aber außer dem einen Mal morgens nach dem Aufstehen, konnte ich kein Pipi auffangen. Entweder war ich zu abgelenkt, oder er hatte keine Lust. Dafür kam an diesem Tag auch Kaka. Irgendwann blieb er in der Küche stehen und begann zu drücken. Ich ließ ihn machen und beobachtete ihn genau dabei, natürlich ohne ihn anzustarren, sondern nebenbei, während ich weiter arbeitete. Als er fertig war, benahm er sich ganz komisch, so als sei ihm die volle Hose peinlich und störte ihn. Er wollte auf den Arm und war ganz aufgeregt. Ich sagte "Du hast Kaka gemacht, Linus", zog ihm die Hose aus und machte ihn sauber und ließ ihn dann ein wenig ohne Hose herumlaufen. Das gefiel ihm sehr gut und er lief ganz aufgekratzt herum und wurde richtig übermütig. Ich ließ ihm die Freude und stellte fest, dass ich so noch besser erkennen konnte, wenn er Pipi machen wollte.
Die nächsten Tage liefen so weiter. Mal konnte ich fast alle Pipis auffangen, mal nur wenige. Die Kakas gingen meist in die Hose oder auf den Boden. Auf den Pipi-Schlüsselsatz reagierte er bald sehr gut und ich konnte sehr genau beobachten, wie er die Schließmuskeln öffnete und drückte. Ich bemerkte auch, dass er sich in der Küche eine Pipi-Ecke ausgesucht hatte, in die er sich immer zurückzog, wenn er musste. So konnte ich immer sofort reagieren, wenn er still wurde und sich in diese Ecke stellte.
Eines Tages merkte ich, dass Linus Kaka machen wollte. Er stellte sich in seine Ecke und begann zu drücken und zu grunzen. Ich trug ihn ins Bad, zog ihm die Hose aus und stellte ihn in die Dusche. Dann sagte ich "Mach Kaka, Linus". Und da ging es los. Er verstand noch nicht so richtig, was da passierte und als der größte Brocken raus war, wollte er sofort auf den Arm. Ich sagte ihm, dass ich ihn erst saubermachen müsse, aber er fing an zu weinen als ich ihn nicht sofort hochnahm. Da dachte ich "Sch... drauf" im wahrsten Sinne des Wortes und nahm ihn auf den Arm. Ich zeigte ihm das Kaka, das er gemacht hatte und lobte ihn. Dann wischte ich es mit Klopapier weg und warf es in die Toilette. Als Linus sich beruhigt hatte, zog ich mir auch die schmutzigen Sachen aus und ging mit ihm zusammen unter die Dusche.
Nach einigen Wochen, als Linus auf das Pipi-Schlüsselwort gut reagierte, probierte ich es auch in der Nacht aus. Da ich ihn immer noch fast voll stillte, trank er auch nachts 4-6 mal. Ich zog ihm abends eine Windel an, aber wenn er nachts unruhig wurde und trinken wollte, zog ich ihm erst die Windel aus und trug ihn ins Bad, wo ich ihn übers Waschbecken hielt. Dann sagte ich den Schlüsselsatz. Meist suchte er nach der Brust und sobald er sie im Mund hatte, kam das Pipi. Dann trug ich ihn ins Bett zurück (er schläft im Familienbett), zog ihm die Windel wieder an und stillte ihn weiter, bis er satt war und weiterschlief. Während der ganzen Pipi-Prozedur wurde er nicht vollständig wach. Vorher, als ich Linus nachts noch nicht im Bad Pipi machen ließ, wühlte er nach jeder Stillmalzeit noch 15-20 Minuten im Bett herum, bis er sich beruhigte und wieder fest einschlief. Jetzt aber trank er eine Brust leer, löste sich von der Brust und legte sich wieder neben mich und war sofort wieder fest eingeschlafen.
Inzwischen bin ich dazu übergegangen, NACH dem Stillen mit ihm ins Bad zu gehen, denn vorher kam der erste Milchspendereflex immer im Bad und mir wurde ein wenig schwindlig weil der Kreislauf noch nicht so auf der Höhe war. Aber jetzt kann ich mich beim Stillen entspannen. Wenn Linus die Brust loslässt und sich wieder hinlegen will, dann nehme ich ihn hoch und trage ihn ins Bad. Irgendwann fing er an, sogar Pipi zu machen, bevor ich den Schlüsselsatz sagte, schon als er merkte, dass ich ihn übers Waschbecken hielt.
Mit dem Kaka machen hat es sich in den letzten Monaten so entwickelt, dass Linus sich irgendwo hinhockt und zu drücken beginnt, wenn er muss. Wenn ich es merke, sage ich ihm, er solle ein wenig warten und trage ihn sofort ins Bad. Dort macht er dann auf die Fliesen und ich wische es mit Klopapier oder einem feuchten Lappen weg. Dann setze ich ihn ins Waschbecken ins warme Wasser und wasche ihm den Po. Das finde ich besser, als ihn mit Papier oder mit einem Lappen zu reinigen, denn er wird davon leicht wund. Auch müsste ich dann immer mit Gewalt zwischen die Pobacken mit dem Lappen. Im Waschbecken kann ich ihn aber wegen der sitzenden Haltung einfach reinigen ohne viel herumzureiben, indem ich nur ein wenig das Wasser verwirbele. Ins Töpfchen mag Linus nicht Kaka machen und über der Toilette abgehalten werden mag er auch nicht. Dafür reagiert er sehr gut auf den Schlüsselsatz, aber er versteht natürlich inzwischen auch fast alles, was ich ihm sage. Er ist sehr stolz auf seine Häufchen und ich lasse ihn sie auch immer bewundern bevor ich sie wegwische.
Ich probierte es immer wieder mit dem Töpfchen aus, aber Linus wollte nichts davon wissen. Er wollte sich auch nicht abhalten lassen und ich merkte, dass es am besten ging, wenn ich ihn selber machen ließ. Vielleicht lag es daran, dass Linus schon laufen konnte, als ich anfing, und er sich irgendwie kontrolliert und gezwungen fühlte, wenn ich mit dem Töpfchen ankam oder ihn abhalten wollte. Irgendwann probierte ich dann, Linus in die Toilette Pipi machen zu lassen, indem ich ihn mit den Füßen auf den Rand stellte und ihn hineinpillern ließ. Das klappte sehr gut. Anschließend durfte er dann selbst das Wasser abziehen. Ich würde ihn gerne nachts in eine Schüssel Pipi machen lassen, aber im Dunkeln muss ich die Schüssel nach Gefühl direkt unter seinen Penis halten, damit nichts daneben geht. Das Gefühl der Schüssel an seinen Schenkeln scheint ihn aber zu erschrecken und er wehrt sich dagegen und stößt die Schüssel mit den Beinen weg. Deshalb gehe ich nach wie vor nachts ins Bad mit ihm. Ich werde es aber mit einer größeren Schüssel probieren, die ich dann auf dem Boden stehen lassen kann ohne dass was danebengeht. Die letzten Nächte habe ich Linus auch nachts keine Windel mehr angezogen. Nur wenn er nachts nicht Pipi machen will, weil er sich erschreckt oder gerade nicht muss, ziehe ich ihm zur Sicherheit die Windel an, bis er das nächste Mal muss.
Wenn wir unterwegs sind, wäge ich vorher ab, wie lange wir ungefähr weg sein werden. Wenn ich Linus spazieren trage, gehen wir ohne Windel los. In der Spielgruppe, die ca. eine Stunde dauert, ziehe ich ihm auch keine Windel an, sondern nehme ein Handtuch und Kleidung zum Wechseln mit. Bis jetzt hat es aber in der Spielgruppe immer ohne Malheur geklappt. Auf längeren Autofahrten nehmen wir Wechselkleidung und Handtücher mit. Wir lassen ihn vorher Pipi machen und halten auch zwischendurch an, damit er Pipi machen kann. Wenn trotzdem was daneben geht, kriegt er eine trockene Hose und ein Handtuch auf den Sitz. Wenn wir bei anderen Leuten waren, gab es am Anfang eine Windel, weil wir dann oft abgelenkt waren und nicht so gut auf Linus' Signale achten konnten. Inzwischen machen wir es so, dass wir ab und zu mit Linus zur Toilette gehen und ihn Pipi machen lassen.
Zu Hause gibt es immer mal wieder Pfützen, aber wir haben in jedem Zimmer ein Pipi-Handtuch liegen und wischen es sofort auf. Linus gibt eindeutige Signale, wenn er muss, aber manchmal sind wir auch hier abgelenkt. Wenn er dann auf den Boden macht, wird uns bewusst, dass er sich gemeldet hat und wir nicht aufgepasst haben. Wir sehen das aber sehr locker. Inzwischen sind bestimmt alle Schränke einmal angepillert worden, einmal hat Linus sogar mein Keyboard getroffen... aber ich bin froh, dass er nur noch sehr selten eine Windel braucht.
Als ich Linus zum ersten Mal ohne Windel herumlaufen ließ, wurde mir bewusst, dass ich bis zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst hatte, wie sein Körper aussieht. Beim Wickeln war ich immer so sehr damit beschäftigt gewesen, ihn sauber zu machen und ihm die frische Windel anzuziehen, obwohl er sich wehrte und herumhampelte, dass ich an nichts anderes mehr denken konnte. Jetzt konnte ich ihn plötzlich sehen und stellte fest, dass er wunderschön ist. Auch heute noch freue ich mich jeden Tag darüber, dass ich ihm nicht immer drei Lagen Klamotten anziehen muss, wenn er im Haus spielt. Seine Körperform ist so perfekt, ich kann sehen, wie er sich bewegt, das Spiel seiner Muskeln beobachten und mich an seiner schönen Haut freuen. Weil das dicke Windelpaket weggefallen ist, braucht er nicht mehr die großen Hosen mit der ausgeprägten Windelbeule, sondern ich kann ihm wieder die Hosen zwei Nummern kleiner anziehen. Die Hose hält sich gut an seiner Hüfte und wird nicht von der dicken Windel heruntergezogen, was ihm vorher immer eine Art Watschelgang verlieh. Und - es stimmt - ein Kind ohne Windeln fasst man/frau ganz anders an. Ich bin mir seiner Körperteile sehr bewusst geworden, nehme Rücksicht darauf und achte darauf, dass ich im nicht wehtue.
Ich hoffe, dass ich den Eltern mit älteren Babies Mut machen konnte, es zu probieren. Ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall. Die paar Pfützen sind nichts gegen das Gefühl der Freiheit, welches Linus empfindet, wenn er ohne Windel herumlaufen kann. Ich habe ihn viel besser kennen gelernt und kann seine Signale erkennen und darauf reagieren. Ich habe ein schönes, schlankes, drahtiges Kleinkind und nicht ein verpacktes Bündel aus Klamotten, Papier und Gelkügelchen. Wenn Linus eine Windel tragen muss, versucht er immer, sie sich wegzureißen. Ich merke auch, dass sie ihn dann beim Laufen behindert, aber manchmal (immer seltener) lässt es sich nicht vermeiden. Ich hoffe, dass wir in einigen Wochen auch auf diese letzten Windeln verzichten können.
März 2005
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Ergänzung
Wie erhofft, haben wir inzwischen ganz aufgehört, Windeln zu benutzen. Wir waren schon überall ohne Windeln und es klappt sehr gut. Wenn wir einkaufen fahren, lassen wir Linus Pipi machen, bevor wir ins Auto steigen und dann vor dem Heimweg auf dem Parkplatz. Wenn wir im Garten sind darf er einfach ins Gras pillern. Er sagt aber immer Bescheid und wird dafür auch gelobt. Inzwischen mag er auch nicht mehr mit der nassen Hose herumlaufen, wenn wir mal nicht schnell genug waren, sondern kommt zu uns und möchte eine trockene Hose.
Seit etwa zwei Monaten gab es auch kein Malheur mehr in der Nacht. Ich stehe immer noch mehrmals in der Nacht auf und gehe mit Linus ins Bad und halte ihn übers Waschbecken. So klappt es irgendwie besser als mit der Schüssel, er kennt das schon und pillert sobald er das Waschbecken unter seinen Füßen fühlt. Wenn er nicht muss, zieht er einfach seine Beine an und wir gehen wieder ins Bett. Er wird nicht vollständig wach dabei und meist merke ich, wie er schon während er pillert vor Erleichterung wieder in Tiefschlaf fällt.
Es ist wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, warum man/frau dies tut. Es geht nicht darum, das Kind trocken zu kriegen (das ist nur ein angenehmer Nebeneffekt), sondern darum, das Kind nicht in seinen eigenen Ausscheidungen herumlaufen/liegen/krabbeln zu lassen. Stellt euch mal vor, ihr müsstet auch nur 5 Minuten mit eurem Stuhl in der Hose herumlaufen! Wie unangenehm ist es uns, wenn beim Pinkeln ein paar Tröpfchen daneben gegangen sind und die Hose nass ist! Ich bin jedenfalls froh, dass ich Windelfrei probiert habe.
Wer nicht sofort ein Buch kaufen möchte, kann auf der Website http://www.topffit.de viele Infos zu Topffit/Windelfrei finden. Auch das englischsprachige Internet bietet unter den Stichwörtern "elimination communication" und "infant potty training" viel Material.
Ich wünsche euch viel Erfolg und viel Spaß auf dem Weg zur Windelfreiheit. Und denkt daran: es ist nie zu spät!!
Mai 2005
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Ergänzung
Ja, inzwischen ist noch viel passiert. Linus ist jetzt fast 25 Monate alt und ich kann mir nicht mehr vorstellen, ihm eine Windel anzuziehen, genau so wenig wie irgendeinem anderen Kind. In der Spielgruppe geht irgendwann immer das große Wickeln los und wenn ich sehe, was die anderen Mütter alles mitschleppen müssen, um ihre Kinder zu wickeln, freue ich mich, dass wir einfach den Ergo nehmen und losgehen können. Linus ist hier zu Hause den ganzen Tag nackt, im Sommer wie im Winter. Er sagt meist (verbal) Bescheid, wenn er muss. Manchmal geht auch noch ein Pipi auf den Boden weil ich nicht auf seiner Wellenlänge bin, sondern am Computer diese Postings schreibe oder telefoniere, oder weil das Spielen gerade so spannend für ihn ist und er sich nicht stören lassen will. Aber ich zeige ihm dann nur, wo das Handtuch liegt und er holt es und wischt selber auf. Manchmal klappt es auch, wenn ich ihm einfach das Töpfchen hole und vor ihn hinstelle.
Wenn wir unterwegs sind, kann ich auf jede öffentliche Toilette mit Linus gehen, egal ob es im Zug, im Flugzeug oder im Supermarkt ist. Die viel zitierte brenzlige Situation an der Kasse im Supermarkt gibt es nicht, da er schon sehr früh merkt, dass er muss und nicht erst bis zum letzten Moment wartet. Deshalb kann er dann gut ein paar Minuten warten bis ich bezahlt habe und wir zur Toilette gehen können. Wenn ich zwar in der Schlange stehe aber noch nicht dran bin wenn er sich meldet, dann gehe ich eben zuerst zur Toilette mit ihm und stelle mich nachher noch mal an. Solche Situationen kommen aber sehr selten vor, weil er immer schon Pipi machen kann, bevor wir losfahren. Ich habe eine kleine Plastikschüssel im Auto und habe ihn auch schon mal während der Fahrt hineinpillern lassen, als wir gar nicht anhalten konnten und er dringend musste (mein Mann saß am Steuer).
Wenn wir bei anderen Leuten sind, klappt es auch sehr gut. Linus merkt sich auch schon, wo die Toiletten sind und kann mir den Weg zeigen ;) . Unsere Verwandten haben sich schon daran gewöhnt, dass Linus keine Windeln trägt und finden es ganz normal. Der Kinderarzt fand es auch ganz toll, besonders vom Umweltaspekt her. Und ich muss auch nicht andauernd "krampfhaft" nach einer Toilette suchen, wie es eine Frau im Forum mal ausdrückte, sondern genau so, als wenn ich für mich eine suchen würde. Mir passiert es nämlich auch manchmal, dass ich in der Stadt, im Zug, im Flugzeug oder im Supermarkt auf die Toilette muss ;) . Dann lasse ich Linus gleich mit machen und es kann wieder los gehen.
In der Nacht gehe ich immer noch mit Linus ins Bad und halte ihn über dem Waschbecken ab. Ich halte ihn dabei im Arm in der Stillposition und lasse seine Beine locker ins Waschbecken hängen, so geht der Strahl nicht daneben. Wenn er fertig ist, zieht er die Beine wieder an und wir gehen wieder ins Bett. Meist hat er während der ganzen Prozedur die Brust im Mund. Oft schläft er noch während des Pinkelns auch wieder fest ein und ich kann ihn im Bett einfach ablegen und mich daneben legen und weiter schlafen. Manchmal stillt er auch im Bett noch ein wenig weiter, bis er los lässt und schläft. Er trinkt zwar immer noch ziemlich oft in der Nacht, muss aber nicht mehr jedes Mal, weil er älter geworden ist und seine Blasenkapazität sich auch vergrößert hat. An der Art, wie er trinkt (ruhig, mit regelmäßigem Schlucken oder unruhig und nur nuckeln), kann ich gut erkennen, ob er muss oder nicht.
Wenn Linus krank ist oder wir Gäste haben, wenn wir bei anderen Leuten zu Besuch sind und dort übernachten, oder wenn er einen Entwicklungsschub macht, dann geht das Pipi nachts noch ab und zu ins Bett. Seltsamerweise wacht er dann aber sofort auf und jammert oder sagt sogar "Pipi Bett!". Dafür habe ich eine weitere Steppdecke hier liegen, die lege ich darüber bis zum Morgen und lasse es dann tagsüber trocknen, denn wir haben ein Wasserbett. Wenn es riecht, wasche ich das Bett einfach. Es ist keine große Sache.
Das große Geschäft macht Linus jetzt immer entweder selber ins Töpfchen oder er möchte über der Toilette abgehalten werden (obwohl er am Anfang das Abhalten überhaupt nicht mochte!). Das klappt auch anderswo sehr gut - wir haben alles schon mal ausprobiert. Der letzte Meilenstein war Kaka machen bei Oma :) . Er sagt immer Bescheid oder wir merken, dass er sich irgendwo in die Ecke setzt und zu drücken anfängt. Auch dann kommt er aber zu uns sobald er merkt, dass wirklich was herauskommt und es nicht nur Luft war. Wenn er dringend muss, das Gefühl aber nicht gleich zuordnen kann, oder wenn er ein wenig Durchfall hat, dann sagt er "Bauch tut weh" und zeigt auf seinen Bauch. Dann weiß ich, dass ein Kaka wartet und halte ihn sofort ab. Manchmal muss Linus auch nachts ein großes Geschäft machen, aber wenn er aus dem Schlaf von dem Druck aufwacht, kann er nicht gleich was damit anfangen. Das äußert sich dann in untröstlichem Weinen. Ich spreche dann mit ihm und versuche, ihn soweit wach zu kriegen, dass ich ihm klar machen kann, dass er Kaka machen soll und es ihm danach besser geht. Wenn er dann gemacht hat, schläft er innerhalb einiger Minuten an der Brust wieder ein.
Insgesamt kann ich jetzt nach einem guten Jahr Windelfrei sagen, dass es für uns ein voller Erfolg war. Linus lernt gerade, sich an- und auszuziehen und wird wahrscheinlich in einigen Monaten in der Lage sein, selbständig auf die Toilette zu gehen. Wenn er nackt ist, kann er es sowieso schon ganz selber machen, nur zum sauber machen braucht er mich noch. Wir hatten schon seit vielen Monaten keine nassen Hosen mehr. Ich kann allen - auch den Zweiflern - nur empfehlen, ihre Ängste und Bedenken über Bord zu werfen und es einfach mit Windelfrei zu probieren. Es ist NIE zu spät!
Margarete Schebesch, Dezember 2005
ich möchte euch eine alternative Möglichkeit nennen, den Heuschnupfen und auch andere (chronische) Krankheiten zu lindern oder sogar zu heilen. Sie erfordert Mut, vielleicht etwas Selbstüberwindung und viel Selbstvertrauen.
Ich litt seit vielen Jahren an einer schweren Allergie gegen Hasel- und Birkenpollen. Es begann meist schon im Oktober/November und ging bis Mai. Zu dem Schnupfen, Augen und Rachenjucken kam auch ein starker, trockener Reizhusten, der manchmal so stark war, dass ich mich davon übergeben musste. Oft bekam ich auch von diesen Kontraktionen sogar Muskelkater in den Bauchmuskeln. Er blieb auch die gesamte Schwangerschaft hindurch unvermindert und ging auch nach der Geburt meines Sohnes Linus weiter.
Als Linus geboren wurde war gerade November und ich hatte natürlich die Triefnase und den Husten. Beim Stillen musste ich immer eine Tasse heißen Tee oder warmes Wasser dabei haben, damit ich damit den Husten etwas lindern konnte, weil ich Linus sonst dadurch von der Brust geschüttelt hätte. Auch nachts wenn ein Hustenanfall kam, musste ich aufstehen und in ein anderes Zimmer gehen, damit ich Linus nicht weckte.
Ich stillte Linus voll und hatte sehr viel Milch, die beim Stillen einfach aus der jeweils anderen Brust herausspritzte. Ich fing diese Milch mit einer Milchauffangschale auf und bewahrte sie im Gefrierschrank auf. Eines Tages waren wir bei meinen Schwiegereltern zu Besuch und ich stillte Linus. Natürlich musste ich meine Milch irgendwie auffangen, da sonst mein T-Shirt ganz nass geworden wäre. Da stand ich dann mit der vollen Auffangschale in der Hand. Wohin damit? In einem unbeobachteten Moment trank ich die Milch einfach aus und hatte das Problem gelöst. Sie schmeckte sehr gut, sehr mild, warm und ein klein wenig süß. Das erste Mal war ganz komisch, ich musste mich schon ein wenig selbst überwinden. Da ich die Milch aber nicht wegschütten mochte, dafür war sie mir nämlich zu schade, dachte ich, das ist die beste Möglichkeit. Bei der nächsten Stillmalzeit zu Hause trank ich die Milch wieder aus. Ich fand es nämlich so viel einfacher als mit der Schale in die Küche zu gehen und die Milch in den Einswürfelbehälter zu schütten usw. Nach einigen Malzeiten ging es ganz leicht und runter wie Öl. Ich kam so auf ca. 100-200 ml (also 1 Wasserglas voll) meiner eigenen Milch pro Tag in den ersten 5-6 Monaten.
Irgendwann, nachdem ich die Milch einige Wochen getrunken hatte, fiel mir auf, dass der Husten weniger wurde bis er ganz verschwand. Auch die Triefnase und das Augenjucken war weg. Ich fragte meine Hebamme und sie meinte, es hänge mit Sicherheit mit der Milch zusammen. Ich habe inzwischen auch gelesen, dass sogar Leukämie bei Erwachsenen mit Muttermilch behandelt wird (Artikel von Elizabeth Hormann unter http://www.rabeneltern.org/stillen/wissenswertes/hormann1.shtml).
Wir haben inzwischen April und ich müsste mich jetzt eigentlich furchtbar mit dem Husten quälen. Aber dieser Winter ist der erste seit ca. 15 Jahren, wo ich nicht mehr husten muss! Wenn mein Körper geschwächt ist, fühle ich noch ganz leicht das Augenjucken, aber ich fange dann wieder ein wenig Milch auf und trinke sie, gebe einen Tropfen in die Augenwinkel und es wird besser. Mein Mann, der auch allergisch ist, aber nicht so stark wie ich, klagt nach wie vor über Triefaugen und -nase, Kratzen im Hals und die ganzen anderen Symptome. Daher weiß ich, dass die Pollen da sind.
Muttermilch als Medizin gegen Heuschnupfen und andere Krankheiten
Die Milchauffangschale könnt ihr in der Apotheke kaufen (Von Medela, NUK oder Avent). Ich steckte sie am Anfang während der Stillmahlzeiten in den Still-BH, so hatte ich den Arm frei um Linus festzuhalten. Wenn ihr also unter Heuschnupfen oder einem anderen Husten leidet, stillt und genügend Milch habt, möchte ich euch raten, den Versuch zu wagen. SCHADEN kann es nämlich nicht. Ihr könnt eure Milchproduktion auch erhöhen, wenn ihr euer Baby einfach öfter anlegt und es trinken und nuckeln lasst, solange es möchte. Lasst auch den Schnuller weg, falls ihr einen benutzt, und lasst es statt dessen an der Brust nuckeln. Vielleicht möchtet ihr auch eine Stillberaterin in eurer Nähe anrufen und mal zu einer Stillgruppe gehen? Die Stillberaterin kann euch noch viel mehr gute Tipps dazu geben, obwohl es wahrscheinlich nicht oft vorkommt, dass eine Mutter ihre eigene Milch trinkt :-).
Wenn ihr eure Milch trinkt, dann trinkt sie sofort nach dem Stillen/Auffangen, wenn sie noch warm und homogen ist. Wenn sie erst mal abgekühlt ist und sich die Sahne abgesetzt hat, schmeckt sie nicht mehr so gut. Ich weiß nicht, wie sie schmeckt, wenn sie erst gekühlt oder eingefroren und dann erwärmt wurde, das habe ich nicht ausprobiert.
Um das Allergierisiko bei euren Kindern möglichst gering zu halten, stillt sie bitte möglichst lange voll, auch wenn es über ein Jahr hinaus geht. Ersetzt keine Mahlzeit, bietet ihnen keine andere Kost an als Muttermilch, solange sie nicht DEUTLICHST zeigen, dass sie auf jeden Fall auch das essen möchten, was ihr esst. Dann würde ich auch nicht extra was für sie kochen, sondern nehmt sie auf euren Schoß und lasst sie von eurem Teller probieren, was sie möchten. Mein Sohn fängt erst jetzt mit 15 Monaten gaaaaaanz langsam an, ab und zu von meinem Teller was runterzuschlucken. Er zeigt deutlich, dass er auch was haben möchte, wenn ich z. B. einen Apfel oder einen Joghurt esse.
Wenn es nicht klappt, könnt ihr es immer noch mit der Homöopathie probieren, was ich übrigens auch gemacht hätte, wenn ich nicht zufällig dieses Wundermittel entdeckt hätte. Muttermilch ist übrigens auch sehr gut geeignet als Wundheilsalbe bei wundem Po, kleinen Verletzungen (auch bei Erwachsenen und größeren Kindern), als Nasen- und Ohrentropfen, als vorbeugende Medizin (ebenfalls auch bei Erwachsenen und größeren Kindern) gegen Erkältungen und vieles, vieles mehr. Seit ich stille, ist sie für mich eine Art Allheilmittel mit fast schon magischen Kräften geworden.
Wer sich privat mit mir darüber austauschen möchte, kann mir auch an meine private Mailadresse schreiben. Ich hoffe, der Tipp war nicht zu alternativ und wünsche euch allen viel Erfolg mit eurer Muttermilch-Kur.
Margarete Schebesch
geschrieben am 14. April 2005
ergänzt am 21. August 2005
Erster Geburtsbericht
13 Monate hatte ich mit meinem Bürgerfunk-Kollegen Klaus an unserem Hörspiel gearbeitet. Am Abend des 27. November 2003 verließen wir beide zufrieden das Studio des Medienforums Münster, die CDs mit dem vollendeten Hörspiel in der Tasche, und ich schickte einen erlösten Gedanken an das 38 Wochen alte Baby in meinem Bauch: "So, mein Schätzchen, jetzt kannst du kommen, jetzt is alles bereit."
Am nächsten Morgen um 5 Uhr merkte ich, daß meine Fruchtblase gesprungen war und das Fruchtwasser tropfenweise abging. Ich weckte meinen Mann und der war in Null komma Nichts auf den Beinen und angezogen. Dann rief ich Gabi, meine meine Bereitschafts-Hebamme an, aber als sie hörte, daß das Fruchtwasser klar sei, schickte sie mich erst mal wieder ins Bett. Erst morgens um 9 sollte ich ins Geburtshaus kommen, um noch mal ein CTG zu schreiben.
Als wir um 9 Uhr ins Geburtshaus kamen, lief mein Fruchwasser immer noch, aber von Wehen keine Spur. Ich machte mir Sorgen und sah mich schon weheneinleitende Medikamente nehmen, aber Gabi hatte noch eine Trumpf im Ärmel: den Rizinus-Cocktail. Sie gab mir das fertig gemixte Getränk mit nach Hause und ich sollte es nach dem Frühstück trinken. Der Cocktail sah zwar schlimm aus, schmeckte aber gar nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte.
Nach zweieinhalb Stunden fühlte ich das erste leichte Ziehen und freute mich, daß es endlich losgeht. Ich arbeitete noch eine Weile am Computer, bis die Wehen stärker wurden. Ich rief Gabi wieder an und sie meinte, ich solle mich in die Badewanne legen. Das machte ich auch und die Wehen wurden stärker. Nach einer Stunde waren die Wehen so stark, daß ich mit der Atemtechnik, die ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte, nicht mehr weiterkam und mich übergeben mußte. Stefan rief Gabi noch mal und sagte, wir würden uns jetzt auf den Weg machen. Als ich aus dem Wasser stieg, ließ die Häufigkeit der Wehen etwas nach und so konnte ich die halbstündige Autofahrt nach Münster gut überstehen.
Im Geburtshaus angekommen allerdings konnte ich kaum mehr gehen und die 10 Minuten am Wehenschreiber nur mit Mühe abwarten. Gabi untersuchte mich und meinte, der Muttermund sei noch zu hart und nur 2 cm geöffnet und zeigte mir eine andere Atemtechnik, damit er weicher würde. Dann konnte ich wieder in die Badewanne. Sobald ich ins Wasser stieg, wurde es besser und die Schmerzen waren durch die Entspannung leichter zu ertragen.
Die Schmerzen wurden aber immer heftiger und die Wehen kamen immer öfter, mit immer kürzeren Pausen, bis ich sogar zwei oder mehrere Schmerzhöhepunkte nacheinander fühlte. Mit der Atemtechnik klappte es aber sehr gut. Bei jeder Wehe sagte ich mir im Geist vor: "Gleich ist es vorbei. Gleich ist es vorbei. Jetzt ist es vorbei!" Ich nahm nichts mehr von der Umgebung wahr, zog mich ganz in mich selbst zurück und stand wie unter Drogen. In den paar Minuten zwischen den Wehen schlief ich ein und träumte allerhand seltsame Dinge, bis die nächste Wehe mich wieder in die Wirklichkeit zurückholte. Stefan wollte mir einige tröstende Worte sagen, aber ich wollte nichts hören, nicht angesprochen werden.
Gabi kam alle paar Wehen und überprüfte die Herztöne meines Babys. Ich nahm zwar alles wie durch einen dicken Schleier wahr, war aber immer beruhigt, wenn die Herztöne gut waren. Mein Muttermund wurde weich und öffnete sich langsam aber kontinuierlich. Nach etwa 3 oder 4 Stunden im Wasser war er ungefähr 8 cm weit offen, es ging aber nicht weiter. Deshalb mußte ich wieder heraus aus der Badewanne. Ich wehrte mich erst, weil ich glaubte, die 3 Meter bis zum Bett nie im Leben schaffen zu können, aber von Stefan und Gabi gestützt schaffte ich es doch.
Der Muttermund hatte sich nach einigen weiteren Wehen noch immer nicht weiter geöffnet. Gabi schlug vor, daß ich bei den nächsten Wehen schieben solle, während sie die Öffnung des Muttermundes unterstützte. Sie war erst nicht sicher, ob ich die unterstützenden Handgriffe überhaupt haben könne, aber ich empfand es als Erleichterung, jetzt schieben zu können und fühlte nichts anderes. Nach einigen Wehen war der Muttermund geöffnet und ich durfte weiter schieben.
Irgendwann in dieser Zeit rief Gabi die zweite Bereitschafts-Hebamme an und Beate kam kurz darauf auch dazu. Sie ermunterten mich und sagten, ich hätte es jetzt bald hinter mir, dies sei jetzt der Endspurt. Ich durfte mich auf den Gebärhocker setzen und Stefan unterstützte meinen Rücken. Ich befolgte alle Anweisungen und legte meine ganze Kraft ins Schieben. Gabi lobte mich immer wieder und machte mir Mut. Ich konnte zwar nur die Schmerzen fühlen und merkte nicht, ob sich bei dem Baby was tat, aber nach einigen Wehen ließ Gabi mich das Köpfchen meines Babys mit der Hand fühlen. Das gab mir einen ungeheuren Motivationsschub und ich fand plötzlich noch mehr Kraft, um dem Baby auf seinem Weg nach draußen zu helfen. Die Schmerzen waren furchtbar und zum ersten Mal konnte ich wirklich schreien. Das Schreien setzte noch mehr Kräfte frei und als ich kurz die Augen öffnete, sah ich das Köpfchen meines Babys, das schon zur Hälfte geboren war!
Nach einigen weiteren Wehen war er da, unser süßer kleiner Linus. Hustend und prustend sah ich ihn zum ersten Mal und wurde mir bewußt, daß die Schmerzen von einem Moment auf den anderen aufgehört hatten und ICH ES GESCHAFFT HATTE! Ich brach in Tränen aus vor Erleichterung, Freude und Glück. Ich konnte mich wieder aufs Bett legen und bekam mein Baby, in ein warmes Handtuch gewickelt, in die Arme. Mit einer leichten Wehe kam noch die Plazenta, dann war es vorbei. Stefan durfte nach einigen Minuten die Nabelschnur durchschneiden und nachdem Gabi und Beate sie sorgfältig untersucht hatten, ließen sie uns mit unserem Sohn allein.
Linus war überhaupt nicht schrumpelig, seine Haut war glatt und rosig und er hatte die Augen weit geöffnet und sah uns an. Ich konnte mich gar nicht mehr von seinem Gesichtchen losreißen. Er war so wach und aufmerksam und konne gar nicht genug von den neuen Eindrücken bekommen. Gabi kam nach einiger Zeit wieder herein und zeigte mir, wie ich Linus das erste Mal stillen konnte. Er trank nur kurz, denn er war viel zu neugierig. Während Gabi ihn untersuchte und anzog, schlief er ein. Stefan holte die Babyschale aus dem Auto und legte ihn hinein. Ich bekam die "Sexy Unterhose" mit dicken Binden wegen des Wochenflusses angezogen und konnte mich wieder anziehen.
Um 1 Uhr war Linus geboren worden, gegen 5 Uhr morgens, 24 Stunden nach meinem Blasensprung, waren wir wieder zu Hause. Unser Schätzchen ist jetzt 4 Wochen alt und schläft in seinem Nestchen in unserem Büro während ich diesen Bericht schreibe. Mein Damm ist dank Beates Unterstützung nicht gerissen und ich habe die Geburt allein, ohne Schmerzmittel oder andere Medikamente, ohne Komplikationen, Zangen, Saugglocken oder andere Hilfsmittel geschafft. Das war es, was ich wollte, als ich mich für das Geburtshaus und gegen eine Krankenhausgeburt entschied. Die Schmerzen sind furchtbar, aber sie sind ertragbar und ich glaube, daß jede Frau eine normale Geburt allein schaffen kann. Ich bin froh, daß ich es geschafft habe. Die Geburt im Geburtshaus hat mir sehr viel Selbstvertrauen und Stolz gegeben und ich danke den Hebammen, die mich betreut haben, dafür, daß ich die Geburt meines ersten Kindes auf diese schöne und natürliche Weise erleben durfte.
Margarete Schebesch, am 27.12.2003